Mittwoch, 19. April 2023

Z. Z. XLI [»Aufregen bringt Segen VIII«]

 


[»Theobromin«]






Daimones


Für den Fall, dass einige der Dämonen, bei der letzten Zählung waren es dreizehn an der Zahl, die mir gelegentlich zusetzen, allzu aufdringlich werden, habe ich stets die Rufnummer eines Exorzisten griffbereit; meist genügt es allerdings, wenn ich mich in feierlichem Ernst mit hoch erhobenem Kopf und geschlossenen Augen in alle vier Himmelsrichtungen verneige und in scharfem Flüsterton viermal hintereinander etwa ausrufe: „Weiche von mir, Dämon der Liebe!“ Das Blinzeln ist hierbei wohlgemerkt strengstens untersagt. Um bei der Wahrheit zu bleiben, den Mentalisten habe ich bisher nie wirklich benötigt, da ich Dinge an und für sich gern selbst im Griff habe, zumal ich den Kerl ohnehin für einen Scharlatan und Halsabschneider halte. Würde ich die Spur ernsthaft verfolgen, wozu ich, offen gesagt, überhaupt keine Lust habe, erwiese sich die mir vorliegende Bankverbindung gewiss als eines dieser Offshore-Konten auf den Cayman Islands. Übrigens ist es schon eine ganze Weile her, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, spielte sich die Sache auf irgendeiner Brücke in Berlin ab, dass mir ein besorgter Passant besagte Rufnummer kommentarlos zugesteckt hatte. Offenbar erweckte ich damals den Anschein, dass ich springen wollte, und tatsächlich quälte mich seinerzeit ein geradezu fataler Liebeskummer, den ich mir, wie so oft, durch mein zügelloses Wesen selbst eingebrockt hatte. Möglicherweise, und das kommt mir erst jetzt nach all den Jahren in den Sinn, handelte es sich ja bei dem Passanten, der mir seine Anteilnahme bloß vorgegaukelt hatte, um den Exorzisten selbst, der sich auf diese Weise um Kundschaft bemühte. Dass es allerorts von Hochstaplern und Betrügern nur so wimmelt, davor hatte mich schon meine hochverehrte Großmutter im Vorschulalter gewarnt, die mir, und dies nur am Rande, auch beibrachte, wie man einen Dämon selbstständig und nachhaltig zügeln kann. Zugegebenermaßen sind dreizehn Dämonen gelegentlich recht lästig, die meisten Leute, mit denen ich zu tun hatte, plagten sich, so viel ich weiß, allerhöchstens mit zwei oder drei herum und empfanden dies schon als Qual. Manchen hatte ich den Rat gegeben, ganz im Geiste meiner Großmutter und freilich umsonst, sich am besten mit ihren Dämonen auszusöhnen oder, sofern gerade ein neuer hinzugekommen war, sich mit diesem unvermittelt anzufreunden, noch bevor er anfangen konnte, irgendwelche Mätzchen zu machen.

Häufig erwiesen sich die Biester im Laufe der Zeit als weitaus harmloser, als man vielleicht anfangs anzunehmen geneigt war. An langatmigeren Tagen, angeblich sind Weihnachtsfeiertage in besonderem Maße für derartige Rituale geeignet, rede ich den Geistern gut zu oder gebe ihnen Namen; hie und da ist es durchaus auch einmal sinnvoll, den einen oder anderen mit scharfen Worten anzuherrschen: „Benimm dich anständig, Don Alfonso!“ Im Normalfall hat man dann umgehend seine Ruhe. Der Dämon der Liebe ist allerdings, insbesondere bei älteren Herren, ein wahrer Plagegeist, dem man unter gar keinen Umständen respektvoll begegnen darf. Schon in frühester Jugend hatte ich mir angewöhnt, diesen Racker zu duzen, ganz gleich, wie verspielt oder erhaben er sich auch aufzuplustern verstand, woraus ich bis zum heutigen Tag die Lehre zog, dass falsche Scham und Ehrfurcht vor den Dämonen die Seele vergiften und allein schon aus diesem Grund wäre ich auch damals schon sicherlich niemals in die Spree gesprungen, zumal ich unter erheblicher Höhenangst leide, auch dies ein Geniestreich eines Vertreters dieser Schicksalsmächte, den ich Erdwin nenne. Den Geist der Liebe nenne ich seit kurzem kameradschaftlich Hardy und denke dabei, was ich ihn natürlich nicht wissen lasse, an Novalis. Beunruhigend, selbst für mich, wird die Sphäre des Dämonischen, wenn die für gewöhnlich männlichen Kräfte in weiblicher Gestalt als Musen auftreten; oft entpuppen sich jene ideellen Wesen nämlich schlicht als identisch mit ihren männlichen Kollegen. Mit einigen dieser im Grunde genommen herzerfrischenden Erscheinungen, deren gewöhnliche Namen im Übrigen seit rund drei Jahrtausenden dieselben geblieben sind, sollte man es sich erfahrungsgemäß keinesfalls verscherzen, da man sich sonst rasch auf irgendeiner viel zu hohen Brücke wiederfinden könnte. Das bewährteste Heilmittel, wobei hier guter Rat durchaus sehr teuer werden kann, ist bekanntermaßen die Musik, die abhängig von Dosierung und Dauer der Behandlung noch so tiefe Schürfwunden kuriert; bedauerlicherweise wird auch mit diesem Tonikum viel Schindluder getrieben.

Immer wieder suchte mich in den vergangenen Monden eine Maid in meinen Träumen heim, die sich aller griechischen Mythologie zum Trotz mit einem Antlitz eher aus dem nordafrikanischen Raum als Esmeralda zu erkennen gab, auch wenn kein Zweifel daran bestehen konnte, dass sie Erato, wie wir sie mit ihrem durchsichtigen blauen Gewand, einer Art Negligée, und dem knabenhaften Gesicht von dem antiken Fresko aus Pompeji her kennen, täuschend ähnlich sah. Sie, die Liebevolle, trug eine Brille, spielte statt auf der Harfe auf einer Rasem, und ihr Busen wirkte sehr viel voller als der auf dem Fresko, wenn auch durchaus noch nicht üppig. Als sich unsere Lippen auf dem Höhepunkt der traumhaften Begegnung beinahe berührten, fragte sie brüsk, aber nicht ohne eine gewisse Koketterie: „Wann haben Sie zum letzten Mal einen Zahnarzt aufgesucht, Wertester?“ Der Schmerz darüber, dass mich Esma, die Erhabene, wie ich sie fortan zärtlich nannte, siezte, begleitete mich bis zu unserer nächsten Begegnung.

Nur wenige Eingeweihte wissen, dass schon ein einziger Akkord auf dem Blasinstrument genügte, um nicht nur alle bösen Geister, sondern vor allem die zum Teil wohlgesonnene Schar der Musenkonkurrenz ein für allemal aus dem Verkehr zu ziehen, vorausgesetzt natürlich, man gelobt der Erhabenen, ihr und ihrem Spiel nicht mehr zu entkommen zu versuchen. „Meine Ergebenheit und Treue, o Sia“, beteuerte ich alsbald, „gehören dir allein.“

Träume brechen in der Regel jäh ab, so auch diese wahre Begebenheit; der weiche und feine Klang der Kürbismundorgel begleitet den Erzähler jedoch seitdem ohne Unterlass.



Streicherquartett


Der Kontrabass, durch und durch loyal, eröffnet den Sinnenkitzel mit einem langen Bogenstrich, dem, wenn man ihn in Worte übersetzte, und nichts anderes ist hier der Fall, der Geruch des gekauften Brotes vom Vorabend noch anhaftete. Sein Pizzicato mischt sich unter die stummen Mitwirkenden, weitere fünfzehn an der Zahl, ganz ohne Instrument, und zieht sich bis ans Ende der Komposition, den Duft frisch gezapften Weizenbiers verströmend, bis sich die Stimme der Bratsche in die gezupften Saiten des blonden Hünen mengt, zunächst kaum hörbar, nach und nach betonter, virtuos ausgeführt im Tempo des Wischens auf dem Smartphone und den Schattierungen unzähliger Netflixserien, stets taktvoll, mit gelegentlich argwöhnischem Blick auf die Violine, deren zu Gehör gebrachte Vierteltöne im Geiste der Arabeske ihr gänzlich unzugänglich sind – ein hoffnungsloser Fall im ¾-Takt der beiden Herzen, wie man sagt, am rechten Fleck. Der Einsatz des Violoncellos ist an Virtuosität, jedenfalls wenn es mit rechten Dingen zugeht, unerreichbar, ohne sich indessen in den Vordergrund drängen zu wollen, sodass stets Raum für das fortfolgende Col-legno-Spiel der Ausführenden bleibt. Im Stil knüpfen die Darbietungen des Instruments an die Tradition höfischer Musik, aber auch an die erlesensten Klänge später Romantik an, um so in vollendeter Weise Neues entstehen zu lassen. Stolz und erhaben wirken die für den unbeteiligten Außenstehenden mikrokosmischen Verzierungen der Violine, die ganz entfernt und dunkel, andeutungsweise vielleicht, teils undurchsichtig, teils zart, an eine Variation über die Mondscheinsonate erinnern mögen, bei genauerem Aufmerken und Aufhören aber den verschwommen heimatlosen Zauber der Reisenden verrät, deren Sehnsucht nach Rückkehr unstillbar bleibt, dem wandernden Stern gleich, dessen Anziehung auf seiner Unnahbarkeit beruht, was, ganz im Sinne der Komposition, allenfalls für das aus Leidenschaft mit Humor gesegnete Ohr einen tieferen sympathetischen Sinn ergibt. Sie entsprechen im gedämpften Tonfall und unnachahmlichen Klang dem universellen „Ya Rayah“ des Einwanderers sowie dem leisen Einwand des tagträumenden Mondkindes, dem man nachsagt, es wandere mit rötlichen Augen durch die Krater der Mondlandschaften, deute die Geheimnisse des Donners, umgeben von Hexen und Magiern, deren Zeit in den wenigen bewohnbaren Regionen der unwirtlichen Wälder nunmehr, entgegen vehementer Interventionen der zuständigen Bauämter, wieder gekommen zu sein scheint; es übersetze die Sprache der Farne, Moose und Pilze, zähme die Blitze, den Graupel und den Hagel, wettere wider die Götter der Technokratie, gegen die Strahlung und die Statistik, hüte den Tau, den Nebel und den Regen. Manche fürchten sein vernarbtes, verhärtetes Gesicht (Xeroderma pigmentosum), andere widmen ihm Tänze und Gesänge: „Wie schön scheint der Mond! Wirklich, wie schön!“ Trotz präzise notierter Abweichungen und Abschweifungen endet die west-östliche Komposition im Unisono als Lobgesang auf den Golestān: „Gibt es eine Rose, im Rosengarten dieser Welt, ohne Dornen?“ Da capo.




Wolga wohl gar?



Du hast im Himmel viel' Engel bei dir

Schick' doch einen davon auch zu mir.

[Bela Jenbach]




Hast du in den Medien verfolgt, dass seit Tagen die Wolga dunkelblutrot durch Moskau strömt? Ein Rätselraten sondergleichen, die CIA sei es gewesen, was allerdings auch die russische Führung heftig dementiert. Die hätten vielleicht die Nordstreamröhren gesprengt, ja, in der Ostsee. In Moskau liefen wohl auch genügend schräge Spione der USA herum, aber richtig etwas zustande gebracht hätten die doch noch nie.

Die Regierung hat nun provisorisch die Wolga mit farbigem Licht angestrahlt, herausgekommen ist dabei aber kaum etwas Vernünftiges, zumal das Phänomen ja nachts sowieso weniger auffällt. Wie überhaupt derart große Mengen Farbe und auch wo in den Fluss kämen, kann sich keiner erklären. Die Leute fangen jetzt an über Heuschrecken und Frösche zu fantasieren, was aber schon unter Strafe stehen soll. Es sind ja auch böse Scherze, und besonders erbost darüber soll der Patriarch von Moskau sein. Fehlte nur, dass jemand angesichts des Heldentods so vieler russischer Jungen beginnt von massenhaftem Sterben der Erstgeburt zu faseln. Wenn der Satz nicht mal nach hinten losgeht!

Jemand hätte also irgendeinen Farbmist in die Wolga gekippt. Verdammt, wer sich dabei erwischen lässt! Die Leute sind nämlich abergläubisch, besonders in Fragen der Religion. Was wäre die Religion ohne Aberglaube! Mein Onkel Karl Ludwig hat als Teenager mit ein paar Kumpels einen Eimer Seifenpulver bei uns im Dorf in den Springbrunnen geschüttet. Der Schaum soll weiß Gott wie weit überall rumgeflockt sein. Wobei die Leute damals fanden - oder war das bloß ich, ich meine, einen ganzen Eimer Seifenpulver einfach so verpulvern, als Gag! Oder später, das Auto, das sie zerdeppert haben, mit Vorschlaghämmern, ich glaube tatsächlich in Rüsselsheim. Das sollte Kunst sein? Die Opelaner haben sich ganz schön aufgeregt. Erstens, bau mal so einen Wagen zusammen, das sind so und so viele Arbeitsstunden! Und leisten konnte sich der Durchschnittsopelaner den Kadett mal gerade eben so. Aber Künstler haben ihre Mäzene. Die kaufen so einen Kadett wie nichts, und dann wird der zusammengedroschen, mit Vorschlaghämmern! Die Stadt erlaubt sowas, und dabei war der Kulturdezernent von der SPD. Ja, Tatsache! Der Arbeiter sollte befreit werden vom Fetisch der Wohlstandsgesellschaft. So ist es immer, wenn man von etwas befreit wird, klar, von Leuten, die schon befreit sind, Papa hat's bezahlt. Ein weißer Kadett war's, ich seh' ihn noch vor mir wie heute.

Und das geht bestimmt auch dem Putin durch den Kopf. Blut in der Wolga ist nochmal eine ganz andere Sauerei als Waschpulver im Springbrunnen im Dorf. Aber doch auch ein Dreck, schon aus Umweltsgesichtspunkten. Das machen dann solche „Aktivisten“. Da hat er schon recht, der Putin, und dafür lieben ihn auch die Leute. Auch in Russland müssen die Leute sparen, der Putin selber jetzt nicht, aber sonst schon viele. Autos zu zertrümmern ist definitiv keine Kunst, jedenfalls keine richtige, über die die Nachwelt staunt. Und die Sache mit dem Blut in der Wolga, es ist ja kein richtiges Blut, aber schon ein ziemliches Zeug, denn Tatsache, der Fluss ist seit Tagen ritzerot, also das ist auch irgendwie gegen die kleinen Leute. So wie sie jetzt in Museen Spaghetti oder sonstwas auf kostbare Gemälde schmeißen. Sollte das nun auch in Russland damit losgehen, dazu wird ein Präsident gebraucht, der durchgreift. Soll er die komplette Feuerwehr entlassen, wenn die die Wolga nicht mehr sauber kriegen. Überhaupt, irgendwo müssen die doch das Zeug permanent reinkippen. Aber das ist es ja gerade, sie finden die Stelle nicht, der ganze Fluss übelst rot, es ist nicht zu fassen!


* * *


Die Zeitungen überschlugen sich, obwohl eigentlich von Anfang an klar war, dass das schon mal nicht stimmte. Der Witz war, dass es auf seine Weise durchaus seine Wirkung erzielte. Zum Beispiel wurde ein Weiterleiten der "Nachricht" sofort unter Strafe gestellt. Und die russischen Medien überschlugen sich vor Beweisen, dass es sich hier um Fake News handelte. Das wiederum rief etliche Witzbolde auf den Plan, zum Beispiel sollen Jugendliche in irgendeinem Kaff im Ural oder weiß Gott in welcher Pampa rote Farbe in einen dörflichen Springbrunnen geschüttet haben. Das Zeug hatte die Umwälzpumpe verstopft und klumpte bald nur noch erbärmlich in dem verschrammten Becken aus irgendeiner Vorzeit. Nichtsdestotrotz fuhren sie ganz großes Geschütz auf. Ein paar bleiche, spillerige Jungen wurden in Polizeiautos gezerrt und müssen mit mittelalterlich martialischen Strafen rechnen. Irgendein Provinzgeistlicher wetterte etwas von westlicher Verwahrlosung und Schändung heiliger Symbole. Die Seelen der Jugend verrotteten  unter der Flut amerikanischer Verderbnis. Mit Stumpf und Stiel müsse ausgerottet werden, was an der gesunden Volksseele nage. Richtig in Rage hatte sich der Typ geschimpft. Eigentlich hörte ihm keiner zu, denn die dummen Jungen taten doch allen leid. Es war ein Dummerjungenstreich und nichts weiter. Gut, betete man halt für ihre armen Seelen. Vielleicht ließ sich auch bei der Polizei etwas machen, ordentlich verdienen tat man da schließlich nicht. Und die Polizisten hatten selber Kinder, und die waren auch keine Engel. Ich war ja selber dabei, damals bei dieser Aktion mit dem Seifenpulver. Mit Politik hatte das nichts zu tun, für uns jedenfalls nicht. Wir waren einfach übermütig, wenn du mich fragst. Aber das hätten wir ja nicht so genannt. Wie das eben so geht unter Jugendlichen, einer hat eine verrückte Idee, und dann schaukelt sich die Sache hoch. Einer allein hätte das Geld nicht ausgegeben für den Eimer Waschmittel. Da aber jeder etwas gab, war am Ende sogar etwas mehr da, als der blödsinnige Eimer kostete. Dash, weißer geht's nicht. Das Zeug hat am Anfang gar nicht richtig geschäumt. Weil wir auch zu zaghaft waren. Dann hat einer von hinten geschubst, und der ganze Eimer ist mit reingefallen. Den haben wir rausgefischt. Sah irgendwie nicht richtig aus mit dem schaukelnden Eimer. Und dann ging ja auch wie auf Kommando die Fontäne los. Klar, dann hat's geschäumt. Aber wie! Nicht die ganze Straße runter, wie's nachher geheißen hat, aber schon ganz ordentlich. Irgendwann, als alles schon mehr oder weniger vorbei war, ist auch die Polizei gekommen. Richtig aufgeregt haben die sich auch nicht.


Montag, 20. März 2023

Z. Z. XL [Zwei Texte aus Val Sidals »Zeit. E - Voicings« (2013)]

 


[»Die Batterie der Toten«, Václav Sochor (1866)]





re: qui em auf den Krieg

 

(Weinerlich, langsam, getragen, lautmalerisch)

 

☻

ss-ch-w---

ei-ge-n pe-in-l-ich krieg-e k-ei-ne-n mehr hoch

 

Ref Rain:

Be-sie-gt  ver-l-ætzt  in-ten-siv sta-tion-irrt

se-di-er-t mit lie-be :║

 

ss-ch-w---

ei-ne-prie-st-er ich krieg-e k-ei-ne-n hö-he-punkt

 

Ref Rain:

Be-sie-gt  ver-l-ætzt  in-ten-siv sta-tion-irrt

se-di-er-t mit lie-be :║

 

ss-ch-w---

ei-ne schw-es-ter be-so-rg-t es mir mit dr-oh-ne

 

Ref Rain:

Be-sie-gt  ver-l-ætzt  in-ten-siv sta-tion-irrt

se-di-er-t mit lie-be :║

 

ss-ch-m---

au-s-ge-h-au-ch-t nul-li-ni-e aus die m-aus

 

Ref Rain:

Be-sie-gt  ver-l-ætzt  in-ten-siv sta-tion-irrt

se-di-er-t mit lie-be :║

 

 

 

Da segno poi coda

 

 

Co da

tränen gab es

im sonderangebot –

lach

kind!





[»Эшафот«, Alexander Golovin (1900)]





Schafott



Seit dem 18. Jahrhundert als Hundsklipp oder Gesteins bekannt, war die enge Düsselklamm mit neun Höhlen und zwei Wasserfällen ein landschaftliches Kleinod, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Künstlern der Malerschule besucht und in zahlreichen Gemälden festgehalten wurde. Einer von ihnen, Der Gänselins, verbrachte viel Zeit malend am Bach.

Beseelt vom Anblick der unschuldigen Enten und Gänse und von der heilen Welt des Tals ergriffen, reinigte Der Gänselins gerade die Farbpalette, als ein Wanderer an ihn herantrat.

Der Unbekannte schaute Dem Gänselins eine Weile zu und bat ihn plötzlich, ihm zu erlauben, sich im Malen zu versuchen.

Nach einigem Zögern stimmte Der Gänselins zu und ermunterte den sonderbaren Fremden, der sich als Perückenmacher aus Leipzig ausgab, die Enten im Bach zu malen.

„Der Herr Kunstmaler möge mir nicht zuschauen. Sein Schatten würde meine Augen trüben, sein Atem meine Seele betören. Auch ich zeige mein Werk, die Perücke, erst nachdem der letzte Griff getan.“

Der Gänselins entfernte sich und unternahm im kühlen Schatten der Buchen und Erlen des Tals einen ausgedehnten Spaziergang.

Inbrünstig begann der Unbekannte sein Werk.

Der Perückenmacher zog seine Schuhe aus und watete barfuß im Bach, fast so, als nehme er auf etwas im Wasser Rücksicht. Dann malte er weiter.

Als Der Gänselins zurückkam, eilte ihm der Perückenmacher sichtlich erregt entgegen, packte seinen Arm und zog und zerrte ihn zur Leinwand.

„Wie findet der Herr Maler mein Werk?“ Er schaute mit glänzenden Augen den bedrängten Künstler bohrend an.

Der Gänselins hatte sich vorgenommen, das Tun des Fremden nicht allzu hart zu bewerten. Es war löblich, wenn jemand, mit den unzulänglichen Werkzeugen der menschlichen Gestaltung in der Hand, die göttliche Perfektion, die beängstigende Leichtigkeit und Flüchtigkeit der vollendeten Form einzufangen wagte, die in ewiger Harmonie, mit dem Hoffnung und Sinn spendenden, immerwährenden Werden verflochten, in der Gestalt einer Gans erstrahlte.

Beim Anblick des Werkes erschauderte er.

Das Leinentuch war durch einen dicken, dunklen Strich in ein oberes Drittel und den unteren Teil getrennt.

Oben schimmerte der Himmel in einem noch nie da gewesenen Blau. Mal sog und zog es den Betrachter in unendliche Fernen, mal strömte es ihm wärmstes Licht strahlend entgegen.

Die unteren zwei Drittel ruhten sauerstoffarm und fäulnisgrün. Der Gänselins wusste, niemand könnte totes Wasser besser malen. In der Tiefe des verdorbenen Baches, wie an unsichtbaren Fäden suspendiert, trieben tote Enten und Gänse, verschränkt und teilweise verstümmelt.

Der Perückenmacher redete nun unentwegt.

„Sie haben sehr gelitten, glauben Sie es mir! Die Flut kam völlig unerwartet. Sozusagen aus heiterem Himmel.“ Er zeigte aufgeregt auf den blauen Streifen auf der Leinwand. „Die armen Tiere hatten keine Zeit sich zu retten. Riesengeschrei und Flügelflattern! Zwecklos! Dem Hunger des Wassergeistes entkommt niemand!“ Dabei zeichnete er mit dem Zeigefinger auf der grünen Fläche einen unsichtbaren Strudel und beobachtete schräg die Reaktion des Künstlers.

Der Gänselins war sprachlos.

Was soll man sagen, dachte er, wenn das, was man sein Leben lang sucht, und ahnt, wahrscheinlich nie zu finden, einem unvermittelt und in voller Größe und Kraft entgegentritt.

Alle Irrtümer und Vorurteile werden auf einen Schlag entlarvt und vernichtet. Mühelos und zweifelsfrei wird die grausame Wahrheit offenbar: „Es ist ein Meisterwerk!“

Als die erste Verblüffung durch die Gewissheit zersetzt wurde, es nie greifen, nie erreichen zu können, spürte er das erhebende Gefühl: Als blickte er auf ein fernes, von Raum und Zeit losgelöstes, jenseitiges Ufer, getrennt von dem, was ihm, Dem Gänselins, anstrebbar und zugänglich war.

Er würde sich nie wieder mit den gleichen Sinnen und Ansinnen einem Bach, einer Gans zuwenden können: Ich gehöre nun zu den Auserwählten und zugleich Verdammten, die der wahren Kunst begegnet sind – dem Genius!

„Wie haben Sie das gesehen?“

Der Fremde starrte ihn an.

„Sehen sie es nicht?“, staunte er.

„Nein“, bekannte Der Gänselins, „ich sehe ein friedlich tänzelndes Bächlein und niedlich schwimmende Entlein.“

„Das ist richtig“, nickte der Fremde, „das sieht jeder! Das ist jetzt. Ich dachte, der Künstler malt, was nur er sehen kann – das, was war, oder das, was hinter oder in dem ist, was jeder sehen kann. Und ich habe das gemalt, was kommen wird!“, protzte er mit breiter Brust.



Der Fremde zog dann weiter und hinterließ ein Vakuum, das, um Den Gänselins nicht zu vernichten, irgendwie gefüllt werden musste.

Was für ein göttlicher Irrtum, dachte er. Gott ist ein Narr, wenn er die kostbarste Gabe, die einem Menschen ermöglicht, einen Blick in die Magie der Schöpfung zu werfen, und, gewissermaßen als Beleg dafür, ihm erlaubt, unvergängliche Kunstwerke hervor zu bringen, an einen Perückenmacher verschwendet.

Die ersehnte Erleichterung des Gemüts konnte er aber mit dem Lamento nicht erfahren. Doch die quälende Leere füllte sich allmählich mit den gewöhnlichen Partikeln einer Seele in Not. Er warf einen letzten Blick auf das Bild des Fremden. Er konnte es niemandem zeigen: Keine Galerie der Welt würde es ausstellen.

Dann zerschnitt er es behutsam, als wäre er bemüht, bei der heiklen Operation so wenig Schmerzen wie möglich zu verursachen. Doch, obwohl in kleinste Schnipsel zerlegt, blieb die diabolische Kraft und finstere Magie des Tuches unversehrt. Er beschloss, alles zu verbrennen. Es für sich zu behalten, hätte bedeutet, nie wieder einen Pinsel in die Hand nehmen zu können.

Viele Jahre nach der Begegnung erfuhr Der Gänselins aus einem Brief eines Freundes vom späteren Schicksal des Perückenmachers:



„Das Schaffot war mitten auf dem Markt gebaut. 54 Cürassiere von Borna hielten Ordnung um das Schaffot; das Halsgericht wurde auf dem Rathause gehalten.

Kurz vor halb 11 Uhr war der Stab gebrochen, dann kam gleich der Delinquent aus dem Rathause, Goldhorn und Hänsel gingen zur Seite und die Rathsdiener in Harnisch, Sturmhaube und Piken voran, rechts und links; die Geistlichen blieben unten am Schaffot; der Delinquent ging mit viel Ruhe allein auf das Schaffot, kniete nieder und betete laut mit viel Umstand, band sich das Halstuch selbst ab, setzte sich auf den Stuhl und rückte ihn zurecht, und schnell mit großer Geschicklichkeit hieb ihm der Scharfrichter den Kopf ab, so dass er noch auf dem breiten Schwerdte saß, bis der Scharfrichter das Schwerdt wendete und er herabfiel.

Das Blut strömte nicht hoch empor; sogleich öffnete sich eine Fallthür, wo der Körper, der noch ohne eine Bewegung gemacht zu haben auf dem Stuhl saß, hinabgestürzt wurde; sogleich war er unten in einen Sarg gelegt und mit Wache auf die Anatomie getragen.

Alsbald wurde auch schnell das Schaffot abgebrochen, und als dies geschehen war, ritten die Cürassiere fort. Die Gewölbe, die vorher alle geschlossen waren, wurden geöffnet und alles ging an seine Arbeit.

Dass vormittags keine Schule war, versteht sich.“



Es war eine gerechte Strafe, dachte Der Gänselins, denn der Perückenmacher hatte seine Geliebte getötet. Er wollte sich für geisteskrank erklären, aber in zwei Gutachten, erstellt von einem verdienstvollen Hofrat und Professor der Anatomie und Chirurgie, der ihn in je fünf Gesprächen untersucht hatte, wurde ihm Zurechnungsfähigkeit attestiert: Er sei zwar „tiefsinnig“, Stimmen hätten ihm zugerufen „spring ins Wasser“, was zu einem Suizidversuch führte. Es konnte auch festgestellt werden, dass er unter Herzjagen litt und von dem Gefühl gequält und geängstigt wurde, sein Herz würde „mit einer Nadel berührt“. Seinen Behauptungen, er würde „gezupft“ und „es“ gehe „neben ihm“, oder er habe streitende Stimmen gehört und leide unter dem Zwang, laut redend allerhand bei sich auszufechten, oder dass er unterirdisches Glockenläuten und Stimmen höre, die ihm zurufen „o, komm doch!“, und eine „Stimme“, die ihn auffordere, „stich die Frau tot!“ –, diesen Behauptungen kann kein Glauben geschenkt werden. Im Gutachten hieß es weiter: Die „drei feurigen Gesichter“ am Himmel, „Geister“ und „die Freimaurer“, die ihn verfolgten, seien zweifellos frei erfunden.

Der Gänselins wandte sich endgültig vom Bach ab und malte fortan romantische Szenen für den guten Geschmack.



Montag, 20. Februar 2023

Bzw. ۲ ۶ ۳ [»Three Children's Songs« (1993) for piano by R. A. ol-Omoum]

 


[Goedart Palm »Exaltierte Landschaft« (2018)]






What is so real as the cry of a child?

A rabbit's cry may be wilder

But it has no soul.

[Sylvia Plath »Ariel« (1965)]





[Goedart Palm »Zauberkraut« (2018)]




Children begin by loving their parents; as they grow older they judge them; sometimes they forgive them. 

[Oscar Wilde »The Picture of Dorian Grey« (1890)]








What do you suppose is the use of a child without any meaning? Even a joke should have some meaning-- and a child's more important than a joke, I hope. You couldn't deny that, even if you tried with both hands. 

[Lewis Carroll »Through The Looking-Glass and What Alice Found There« (1871)]









Though children can accept adults as adults, adults can never accept children as anything but adults too. 

[William Faulkner »Light in August« (1932)]








Grown-up people do not know that a child can give exceedingly good advice even in the most difficult case. 

[Fyodor Dostoyevsky »The Idiot« (1869)]





[Goedart Palm »Blue Tree« (2018)]



Die Bäume - Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar. [Aus: Franz Kafka »Betrachtung. Für M. B.« (1913)]


Freitag, 20. Januar 2023

Z. Z. XXXIX [Daily Sirens »1972« (2022). Inspired by Marc Wie]

 


[Ras Moshe Burnett »Blue In Green« (2022)]




Life inevitably translates into time. That is why the sum total of it is called ‘a lifetime’. Freedom is the potential to spend one’s time in any fashion one determines.

[Gil Scott-Heron »Now and Then« (2000)]





[Lorena Kirk-Giannoulis »Acknowledgement« (2022)]




The first revolution is when you change your mind about how you look at things, and see there might be another way to look at it that you have not been shown.

[Gil Scott-Heron, as quoted by Paul Carter Harrison in »Black Light: The African American Hero« (1993)]




1972 (Daily Sirens)


#1 Randy Newman „You Can Leave Your Hat On“

#2 Manfred Mann's Earth Band „One Way Glass“

#3 Joni Mitchell „You Turn Me On I'm A Radio“

#4 The Ikettes „I'm Just Not Ready For Love“

#5 Woody Shaw „The Goat And The Archer“

#6 Muhal Richard Abrams „In Retrospect“

#7 Don Ellis „Put It Where You Want It“

#8 Elvis Presley „Always On My Mind“

#9 Charles McPherson „Don't Explain“

#10 Carly Simon „You're So Vain“

#11 Egberto Gismonti „Ano Zero“

#12 John Cale „The Philosopher“

#13 Paul Bley „Open, To Love“

#14 Miles Davis „Black Satin“

#15 Steely Dan „Do It Again“

#16 Elton John „Rocket Man“

#17 Larry Coryell „Offering“

#18 Brigitte Fontaine „Eros“

#19 Babe Ruth „King Kong“

#20 David Bowie „Starman“

#21 Shelly Manne „Seance“

#22 Pat Martino „The Visit“

#23 Yoko Ono „Yang Yang“

#24 Can „Sing Swan Song“

#25 Passport „Mandragora“

#26 Sun Ra „Discipline 33“

#27 Sonny Stitt „Tune-Up“

#28 If „Cast No Shadows“

#29 T. Rex „Mystic Lady“

#30 Cat Stevens „Ruins“

#31 Joan Baez „Myths“

#32 Free „Soldier Boy“

#33 Eric Kloss „Doors“

#34 Airto „So Tender“

#35 Bee Gees „Alive“

#36 Grin „Sad Letter“

#37 Ekseption „Pie“

#38 Lani Hall „You“

#39 Embryo „Free“

#40 Cymande „Bra“

#41 Chaquito „I Spy“

#42 Dark „Zero Time“

#43 Khan „Stargazers“

#44 Cactus „Bad Stuff“

#45 Rod Stewart „Angel“

#46 Stevie Wonder „Evil“

#47 Gentle Giant „Knots“

#48 Roy Haynes „Senyah“

#49 Jimmy Webb „Simile“

#50 Popol Vuh „Abschied“

#51 Hubert Laws „Yoruba“

#52 Randy Weston „Ifrane“

#53 Hal Galper „Whatever“

#54 Don McLean „Dreidel“

#55 Charles Lloyd „Waves“

#56 Lou Reed „Perfect Day“

#57 Elvin Jones „Soultrane“

#58 McCoy Tyner „Rebirth“

#59 Bobby Pierce „Mr. P.C.“

#60 Curtis Fuller „Sop City“

#61 Melvin Sparks „Akilah“

#62 Julius Hemphill „Rites“

#63 Gene Harris „Killer Joe“

#64 James Taylor „Someone“

#65 Osibisa „Wango Wango“

#66 Uriah Heep „Easy Livin'“

#67 Bo Diddley „Infatuation“

#68 Supersister „Psychopath“

#69 War „Beetles In The Bog“

#70 Archie Shepp „The Lady“

#71 Les McCann „She's Here“

#72 Buddy Rich „Sassy Strut“

#73 Arthur Verocai „Caboclo“

#74 Funkadelic „Loose Booty“

#75 Herbie Hancock „Quasar“

#76 Joe Farrell „Moon Germs“

#77 Gilbert O'Sullivan „Clair“

#78 Frumpy „Keep On Going“

#79 Al Kooper „Peacock Lady“

#80 Mott The Hoople „Sucker“

#81 Jan Garbarek „Bruremarsj“

#82 Focus „Love Remembered“

#83 Harry Nilsson „Spaceman“

#84 Keith Jarrett „Expectations“

#85 Frank Zappa „Your Mouth“

#86 Paul McCartney „Hi Hi Hi“

#87 Black Sabbath „Supernaut“

#88 Lyn Collins „Women's Lib“

#89 Liza Minnelli „The Singer“

#90 Zephyr „I'm Not Surprised“

#91 Joe Thomas „Joyful, Joyful“

#92 Earth, Wind & Fire „Power“

#93 Kool & The Gang „Rated X“

#94 Matching Mole „God Song“

#95 Stan Getz „Captain Marvel“

#96 Lindisfarne „Don't Ask Me“

#97 Alice Cooper „School's Out“

#98 Gilberto Gil „Expresso 2222“

#99 Charles Earland „Speedball“

#100 Weather Report „Directions“

#101 Van Dyke Parks „Riverboat“

#102 Al Green „Simply Beautiful“

#103 Jerry Peters „Lest We Forget“

#104 Labi Siffre „Cannock Chase“

#105 America „Ventura Highway“

#106 Led Zeppelin „D'yer Mak'er“

#107 Back Door „Askin' The Way“

#108 Reuben Wilson „Creampuff“

#109 Family „My Friend The Sun“

#110 Pharoah Sanders „High Life“

#111 Jimmy Smith „Blues For 3+1“

#112 Freddie Hubbard „Naturally“

#113 John Surman „Mock Orange“

#114 Gordon Lightfoot „Beautiful“

#115 Queen „Keep Yourself Alive“

#116 Tomorrow's Gift „Jazzi Jazzi“

#117 Hadley Caliman „Watercress“

#118 Monk Higgins „So Far Away“

#119 Chi Coltrane „Go Like Elijah“

#120 Blue Mitchell „Just Made Up“

#121 Pink Floyd „Burning Bridges“

#122 Jeff Beck Group „Sugar Cane“

#123 Art Farmer „A Time For Love“

#124 Syreeta „She's Leaving Home“

#125 Don Patterson „Jesse Jackson“

#126 Howard Tate „It's Your Move“

#127 John Lennon „New York City“

#128 Elis Regina „Águas De Marҫo“

#129 Eagles „Peaceful Easy Feeling“

#130 Ry Cooder „Cherry Ball Blues“

#131 Gábor Szabó „Another Dream“

#132 Carole King „Been To Canaan“

#133 Doug Kershaw „Devil's Elbow“

#134 Mary Roos „Morgens Um Fünf“

#135 Barry Harris Trio „Vicissitudes“

#136 Van Morrison „I Will Be There“

#137 Tim Buckley „Sweet Surrender“

#138 Randy California „Day Tripper“

#139 Chuck Berry „Mean Old World“

#140 Cold Blood „You Had To Know“

#141 The Nat Adderley Sextet „Gone“

#142 Caetano Veloso „Neolithic Man“

#143 Joe Cocker „Woman To Woman“

#144 Rita Lee „Superfície Do Planeta“

#145 Houston Person „Let's Call This“

#146 Thin Lizzy „Whiskey In The Jar“

#147 Jimmy McGriff „Yardbird Suite“

#148 Eddie Harris „Please Let Me Go“

#149 The Crusaders „Mystique Blues“

#150 Kevin Ayers „Oh! Wot A Dream“

#151 Kevin Coyne „Evil Island Home“

#152 Ohio Players „Pride And Vanity“

#153 The Doors „It Slipped My Mind“

#154 Oregon „Baku, The Dream Eater“

#155 Luiz Bonfá „Adventure In Space“

#156 Manfred Krug „Schau Nicht Hin“

#157 Paul Motian „Conception Vessel“

#158 Gary Bartz NTU Troop „Teheran“

#159 Renaissance „Bound For Infinity“

#160 Dakota Stanton „Blues For Tasty“

#161 Dan Fogelberg „To The Morning“

#162 Earl Hines & Jaki Byard „Rosetta“

#163 Esther Marrow „And When I Die“

#164 Bobby Womack „And I Love Her“

#165 Roxy Music „Re-Make/Re-Model“

#166 David Holland Quartet „See-Saw“

#167 Taj Mahal „Sweet Home Chicago“

#168 Chris Hodge „We're On Our Way“

#169 Artie Kaplan „Bensonhurst Blues“

#170 Frank Foster „Requiem For Dusty“

#171 Charles Williams „Ain't No Blues“

#172 Terry Callier „What Color Is Love“

#173 Roy Ayers Ubiquity „Sweet Tears“

#174 Slapp Happy „Heading For Kyoto“

#175 Brewer & Shipley „Blue Highway“

#176 Stanley Clarke „Unexpected Days“

#177 Donald Byrd „Love's So Far Away“

#178 Little Richard „Mockingbird Sally“

#179 The Modern Jazz Quartet „Valeria“

#180 Mal Waldron „Blues For Lady Day“

#181 Fleetwood Mac „Sentimental Lady“

#182 Joe Albany „When Lights Are Low“

#183 Charles Kynard „Little Ghetto Boy“

#184 Ronnie Foster „Me And Mrs. Jones“

#185 George Shearing „Change Partners“

#186 Yusef Lateef „Destination Paradise“

#187 Michael White „The Blessing Song“

#188 Udo Lindenberg „Hoch Im Norden“

#189 Rory Gallagher „If I Had A Reason“

#190 Faust „I've Got My Car And My TV“

#191 Beggars Opera „Madame Doubtfire“

#192 Paul Simon „Loves Me Like A Rock“

#193 Jackie DeShannon „Laid Back Days“

#194 Norman Connors „Morning Change“

#195 Lô Borges „Você Fica Melhor Assim“

#196 Moacir Santos „The Mirror's Mirror“

#197 The Isley Brothers „Brother, Brother“

#198 The Kinks „Supersonic Rocket Ship“

#199 Herbie Mann „Mississippi Gambler“

#200 Jefferson Airplane „Eat Starch Mom“

#201 Atomic Rooster „Time Take My Life“

#202 The New Birth „I Can Understand It“

#203 Ornette Coleman „Skies Of America“

#204 The Moody Blues „Isn't Life Strange“

#205 Savoy Brown „I Hate To See You Go“

#206 The Jimmy Castor Bunch „Party Life“

#207 Donovan „The Intergalactic Laxative“

#208 Bread „Didn't Even Know Her Name“

#209 Humble Pie „You're So Good For Me“

#210 Hans Koller Free Sound „Isus Mirror“

#211 Marlena Shaw „Wipe Away The Evil“

#212 The George Otsuka Quintet „Isotope“

#213 Bucky Pizzarelli „Green Guitar Blues“

#214 Ray Charles „Rainy Night In Georgia“

#215 Jay Berliner „I Just Want To Be There“

#216 Joe Henderson „Foregone Conclusion“

#217 David Bromberg „Demon In Disguise“

#218 The Supremes „The Wisdom Of Time“

#219 John Martyn „I'd Rather Be The Devil“

#220 Daryl Hall & John Oates „Waterwheel“

#221 Gene Ammons „Lady Sings The Blues“

#222 Volker Kriegel „Definitely Suspicious“

#223 Françoise Hardy „Bowm Bowm Bowm“

#224 O'Donel Levy „We've Only Just Begun“

#225 Michael Nesmith „Roll With The Flow“

#226 Bobby Hutcherson „When You're Near“

#227 Luther Allison „The Little Red Rooster“

#228 Richard "Groove" Holmes „St. Thomas“

#229 Sonny Rollins „Keep Hold Of Yourself“

#230 Geronimo Black „Quaker's Earthquake“

#231 Atlantis „Let's Get On The Road Again“

#232 Blood, Sweat & Tears „Maiden Voyage“

#233 Rita Coolidge „The Lady's Not For Sale“

#234 B. J. Cole „The Cold Mountain Mariner“

#235 Millie Jackson „My Man, A Sweet Man“

#236 Lee Hazlewood „Toocie And The River“

#237 David Bedford „Sad And Lonely Places“

#238 Eddie Kendricks „My People...Hold On“

#239 The Edgar Winter Group „Frankenstein“

#240 Santana „All The Love Of The Universe“

#241 Daddy Longlegs „Nickle Quarter Annie“

#242 Hank Crawford „Betcha By Golly, Wow“

#243 Burning Spear „Down By The Riverside“

#244 Bonnie Raitt „Nothing Seems To Matter“

#245 Slade „The Whole World's Goin' Crazee“

#246 Grover Washington, Jr. „Love Song 1700“

#247 Billy Paul „Am I Black Enough For You?“

#248 Paco De Lucía „Barrio La Viña (Alegrías)“

#249 Marvin Gaye „You Are That Special One“

#250 Lalo Schifrin „El Rebano (From Joe Kidd)“

#251 Googoosh „بين ما هرجى بوده تموهشده“

#252 Sérgio Mendes & Brasil 77 „After Sunrise“

#253 Reinhard Mey „Mein Achtel Lorbeerblatt“

#254 West, Bruce & Laing „Out Into The Fields“

#255 Horace Silver „Nothin' Can Stop Me Now“

#256 Albert Hammond „The Air That I Breathe“

#257 Keef Hartley Band „Hard Pill To Swallow“

#258 Genesis „Can-Utility And The Coastliners“

#259 Traffic „Shoot Out At The Fantasy Factory“

#260 The Rolling Stones „Coming Down Again“

#261 Premiata Forneria Marconi „Per Un Amico“

#262 Mahavishnu Orchestra „Open Country Joy“

#263 Barclay James Harvest „Delph Town Morn“

#264 Betty Everett „Black Girl (From Black Girl)“

#265 The Allman Brothers Band „Ramblin' Man“

#266 Vinegar Joe „Live A Little, Get Somewhere“

#267 Allen Toussaint „Victims Of The Darkness“

#268 Buddy Terry „Climbing Higher Mountains“

#269 Alice Coltrane „Excerpts From The Firebird“

#270 Phillip Upchurch „What We Call The Blues“

#271 Harold Land „Step Right Up To The Bottom“

#272 Tom Waits „Old Shoes (& Picture Postcards)“

#273 Ton Steine Scherben „Komm Schlaf Bei Mir“

#274 Townes Van Zandt „Silver Ships Of Andilar“

#275 Curved Air „Once A Ghost, Always A Ghost“

#276 The Section „Sporadic Vacuums Of Thought“

#277 Gary Burton & Chick Corea „Arise, Her Eyes“

#278 The Soul Searchers „When Will My Eyes See“

#279 Billy Eckstine „I'll Always Have Faith In You“

#280 Cass Elliot „The Road Is No Place For A Lady“

#281 Aretha Franklin „So Swell When You're Well“

#282 Chet Atkins & Jerry Reed „Jerry's Breakdown“

#283 Albert King „Breaking Up Somebody's Home“

#284 Joan Armatrading „It Could Have Been Better“

#285 Bob Marley & The Wailers „No More Trouble“

#286 Stanley Cowell Trio „Ibn Mukhtarr Mustapha“

#287 Kin Ping Meh „Come Down To The Riverside“

#288 The Spinners „Could It Be I'm Falling In Love“

#289 Timmy Thomas „Why Can't We Live Together“

#290 Bobbi Humphrey „Lonely Town, Lonely Street“

#291 Edgar Broughton Band „Chilly Morning Mama“

#292 The Overton Berry Ensemble „Color My World“

#293 Chick Corea „What Game Shall We Play Today“

#294 Stealers Wheel „Stuck In The Middle With You“

#295 Deodato „Prelude To The Afternoon Of A Faun“

#296 The Ramsey Lewis Trio „Concierto De Aranjuez“

#297 Stanley Turrentine with Milt Jackson „Speedball“

#298 John Fahey And His Orchestra „Lord Have Mercy“

#299 Curtis Mayfield „Freddie's Dead (From Super Fly)“

#300 The Undisputed Truth „Papa Was A Rollin' Stone“

#301 Grand Funk Railroad „So You Won't Have To Die“

#302 Jim Croce „Operator (That's Not The Way It Feels)“

#303 James Brown „Get On The Good Foot (Parts 1 & 2)“

#304 El Camarón De La Isla & Paco De Lucía „Canastera“

#305 Bill Withers „Who Is He (And What Is He To You?)“

#306 Mom's Apple Pie „I Just Wanna Make Love To You“

#307 The Temprees „If I Could Say What's On My Mind“

#308 Captain Beefheart and The Magic Band „Clear Spot“

#309 Kimiko Kasai With Gil Evans Orchestra „Satin Doll“

#310 Anthony Braxton „60666 C -66M (Composition 23 K)“

#311 Gil Scott-Heron „...And Then He Wrote Meditations“

#312 Frank De Vol „Hide And Seek (From Ulzana's Raid)“

#313 Dr. Hook & The Medicine Show „Get My Rocks Off“

#314 Dick Heckstall-Smith „Moses In The Bullrushourses“

#315 Shirley Bassey „The First Time Ever I Saw Your Face“

#316 Ralph Towner With Glen Moore „Re: Person I Knew“

#317 Bing Crosby & Count Basie „Sugar, Don't You Know“

#318 Leon Ware „Nothing's Sweeter Than My Baby's Love“

#319 The Sensational Alex Harvey Band „Midnight Moses“

#320 Big Walter Horton With Carey Bell „Trouble In Mind“

#321 Brian Auger's Oblivion Express „Freedom Jazz Dance“

#322 John Rubinstein „The Cabin (From Jeremiah Johnson)“

#323 Ronnie McNeir „Girl You're Gonna Lose Your Groove“

#324 Peggy Lee „It Takes Too Long To Learn To Live Alone“

#325 John Hartford „Nobody Eats At Linebaugh's Anymore“

#326 Diana Ross „Strange Fruit (From Lady Sings The Blues)“

#327 Gordon Parks „Funeral Home (From Shaft's Big Score!)“

#328 The Four Tops „Ain't No Woman (Like The One I Got)“

#329 Art Blakey & The Jazz Messengers „I Can't Get Started“

#330 Jerry Fielding „Watching-Waiting (From The Mechanic)“

#331 Wolfgang Dauner's Et Cetera „The Really Great Escape“

#332 Creedence Clearwater Revival „Tearin' Up The Country“

#333 The Temptations „Funky Music Sho Nuff Turns Me On“

#334 The Nineteenth Whole „Lookin' Through The Windows“

#335 David Newman „You Can't Always Get What You Want“

#336 Astrud Gilberto „Daybreak (Walking Out On Yesterday)“

#337 Cornelius Brothers & Sister Rose „Treat Her Like A Lady“

#338 Solomon Burke „We're Almost Home (From Cool Breeze)“

#339 Ballin' Jack „(Come 'Round Here) I'm The One You Need“

#340 The Smith Connection „My World Is Empty Without You“

#341 Smokey Robinson & The Miracles „With Your Love Came“

#342 Luis Bacalov „Lisboa's Tram (From The Summertime Killer)“

#343 Mike Vickers „Baptism By Blood (From Dracula A. D. 1972)“

#344 The Meters „You've Got To Change (You've Got To Reform)“

#345 Kenny Burrell „I'm Gonna Laugh You Right Out Of My Life“

#346 John Gale „Preparing Victoria (From Dr. Phibes Rises Again)“

#347 Giorgio Gaslini „Luisa (Chitarra) (From The Hassled Hooker)“

#348 The Beach Boys „You Need A Mess Of Help To Stand Alone“

#349 Harold Melvin & The Blue Notes „Yesterday I Had The Blues“

#350 Nino Rota „Ecclesiastical Fashion Show (From Fellini's Roma)“

#351 The New Dave Pike Set & Grupo Baiafro In Bahia „Berimbass“

#352 Esther Phillips „I've Never Found A Man (To Me Like You Do)“

#353 Elmer Bernstein „We Promise (From The Amazing Mr. Blunden)“

#354 Tim Hardin „Nobody Knows You When You're Down And Out“

#355 John Prine „Yes I Guess They Oughta Name A Drink After You“

#356 Mother's Finest „Love Is All I Need (It's Too Hard To Carry On)“

#357 Bill Evans & George Russell Orchestra „Living Time - Event VI“

#358 Kris Kristofferson „Jesus Was A Capricorn (Owed To John Prine)“

#359 The Electric Light Orchestra „In Old England Town (Boogie No. 2)“

#360 Climax Blues Band „Don't You Mind People Grinning In Your Face“

#361 The Cedar Walton / Hank Mobley Quintet „House On Maple Street“

#362 Eric Weissberg & Steve Mandell „Dueling Banjos (From Deliverance)“

#363 Gato Barbieri „Why Did She Choose You? (From Last Tango In Paris)“

#364 Jiro Inagaki & His Soul Media With Yasushi Sawada „たぶて [Tabute]“

#365 Rahsaan Roland Kirk & Al Hibbler „Do Nothin' Till You Hear From Me“