Freitag, 19. Juni 2026

Z. Z. LXVII [»Link« von Walter Graf (2025)]

 


[Paul Delvaux »Landschaft mit Laternen« (1958)]



Es gibt keinen Mangel, der einschneidender isoliert. Der Impotente verfügt über eine innere Kraft, die seine Einmaligkeit hervorhebt, ihn unnahbar und paradoxerweise gefährlich macht: er erregt Furcht. [Emil M. Cioran »Zorn und Verzicht« (1956)]


Kann man sich eine impotente Ratte vorstellen? Den fraglichen Akt vollziehen die Nager ganz wunderbar. Dies kann man von den Menschen nicht behaupten: je mehr sie sich aus der Masse erheben, umso gravierender tritt bei ihnen dieses lebensentscheidende Gebrechen auf, das sie der Kette der Lebenden entreißt. - Die Sexualität macht uns gleich; besser: sie entwendet uns unser Geheimnis... Viel mehr als alle unsere sonstigen Bedürfnisse und Handlungen stellt sie uns auf die gleiche Stufe mit unseren Mitmenschen: je mehr wir sie praktizieren, umso mehr werden wir wie jedermann: im Vollzuge einer als tierisch geltenden Tätigkeit beweisen wir unsere Eigenschaft als Bürger: nichts ist so öffentlich wie der Sexualakt. [Emil M. Cioran »Zorn und Verzicht« (1956)]




[Paul Delvaux »Promenade La Nuit« (1958)]



Seine Einsamkeit werden wir ihm niemals verzeihen: sie demütigt uns ebenso sehr, wie sie uns anwidert; sie provoziert uns. [Emil M. Cioran »Zorn und Verzicht« (1956)]



Link



Noch im selben August, in dem ich Roswitha aufgesucht hatte, rief ich Willi Link an. Ich hatte mich bisher wohlweislich nie zuvor alleine mit ihm getroffen, nur immer in Begleitung meines ehemaligen Mitschülers Rolf Hilpert. Das letzte Mal, dies war schon drei oder vier Jahre her, war noch Rolfs Freundin Delphine dabei gewesen. Willi Link hatte uns in seinem Wohnzimmer übernachten lassen; er wohnte damals bereits in einer Neubausiedlung am Greifensee. War es nicht seltsam, dass wir trotz allem, was wir über ihn wussten, den Kontakt mit ihm aufrechterhielten?

Ich verabredete mich mit Link auf den Freitagabend in Nänikon. Er holte mich am Bahnhof ab. Obwohl er sieben Jahre älter als ich sein musste, sah man den Altersunterschied zwischen uns nicht mehr, da ich im Gegensatz zu ihm keine Langhaarfrisur mehr hatte; zudem war ich grösser als er. Notfalls hätte ich mich leicht gegen ihn zur Wehr setzen können. Link war ein Päderast, der als Halbwüchsiger in eine katholische Erziehungsanstalt gekommen war, weil er Kinder verführt und missbraucht hatte. Ich war aus dem Alter heraus, in dem ich noch etwas von ihm zu befürchten gehabt hätte. Als mein Schulfreund Rolf mich ihm vorgestellt hatte, waren wir höchstens elf gewesen.

Wir gingen unweit des Bahnhofs, der zwischen dem Dorf Nänikon und dem Städtchen Greifensee lag, in ein italienisches Restaurant. Link erzählte mir beim Abendessen von seiner Arbeit bei einem Bildhauer, der hauptsächlich mit Grabsteinen beauftragt wurde. Mehr rauchend als trinkend, machte er dennoch einen vergnügten Eindruck. Der warme Blick seiner feuchten Augen machte mich etwas verlegen; auch seine Stimme war voller Wärme. Plötzlich unterbrach er sich und sagte: «Du bist so ruhig.» Ja, das war ich. Was hätte ich dazu sagen sollen? Ich erzählte ihm von unserem gemeinsamen Bekannten Rolf Hilpert, der kürzlich nach Südamerika ausgewandert war. Aus seiner Antwort war herauszuhören, dass er ihm nicht mehr sonderlich nahestand, weil er es an «geistigen Interessen» fehlen liess. Rolf interessierte sich weder für Kunst noch für Literatur, erst recht nicht für Philosophie. Nun, dann weiss ich ja, womit man bei dir punkten kann, dachte ich.

Nach dem Essen, das nicht schlecht gewesen war, machten wir uns auf den Weg in die Neubausiedlung, in der er wohnte. Da die Häuser, zwischen denen wir hindurch gingen, einander alle gleichsahen, hätte ich mich allein schwerlich zurechtgefunden. Der See war nirgends in Sicht. Link war wohl der Einzige in dieser Gegend, der kein Auto besass. Ich folgte ihm in ein Treppenhaus, wo wir den Lift in den dritten Stock nahmen. Seine Wohnung kannte ich bereits; als ich vor drei oder vier Jahren mit Rolf und Delphine hier gewesen war, hatte er sie uns als «Luxuswohnung» gepriesen. Ich rang mir also ein paar bewundernde Bemerkungen ab. Am luxuriösesten mutete mir das Badezimmer an. Im Wohnzimmer inspizierte ich erst sein Büchergestell, bevor ich mich zu ihm aufs Sofa setzte. Er hatte immer noch dieselben Bücher wie früher, als er noch bei seinen Eltern wohnte. Als Novität war lediglich Hubert Fichtes «Versuch über die Pubertät» hinzugekommen – immerhin.

Im Sofa sitzend, setzten wir unsere Unterhaltung fort, während im Hintergrund Modernjazz lief. Willi erzählte mir von dem Jesuitenpater, der ihn in der Anstalt betreut hatte; er musste inzwischen ein alter Mann sein. Der Pater, der ihn immer gefördert hatte, stand noch in Verbindung mit ihm; mitunter kam er ihn sogar besuchen. Bei seinem letzten Besuch rief er, als Willi ihm seine neuen Bilder zeigte, begeistert: «Du bist ein Genie!» Ich erinnerte mich wieder daran, dass schon Rolf mir gesagt hatte, Link sei ein Genie. Ein Alleskönner, der zum Zeichnen, Schreiben und Musizieren gleichermassen begabt sei. Er brauche nur ein Instrument zur Hand zu nehmen, und alsbald könne er ihm eine Melodie entlocken. Hatte er nicht am Schulsilvester jeweils mit ein paar Kollegen zusammen in einer Band gespielt? Später, als Rolf und ich in der Schriftsetzerlehre waren, wollte Link die Matura nachholen, um studieren zu können. Daraus wurde jedoch nichts; es wurde nichts als ein Hilfsarbeiter aus ihm, so wie auch aus mir.

Er liess sich nicht lange bitten, mir seine Bilder zu zeigen. Er brachte einen ganzen Stapel von Gemälden aus seinem Schlafzimmer, von denen er eines nach dem anderen an den Fernseher lehnte, damit ich sie in aller Ruhe besichtigen konnte. Nicht unbeeindruckt, gab ich ein paar Laute der Bewunderung von mir. Es handelte sich vorwiegend um surrealistische Bilder in beinahe klassizistischer Manier. Man sah menschliche Figuren nackt zwischen Marmorsäulen antiker Tempel wandeln. Lieber als nackte Männer hätte ich zwar nackte Frauen gesehen, so wie bei Paul Delvaux, dem Link auch sonst nicht das Wasser zu reichen vermochte; aber für jemanden wie ihn, einen, der wie ich am Dreispitz aufgewachsen war, schienen mir diese Bilder durchaus beachtenswert zu sein. Nachdem ich ihm meine Achtung hinreichend bekundet hatte, las er mir noch ein Gedicht, das er selbst verfasst hatte, vor:  «An den Sonnenjüngling». Das Pathos, mit dem er es vortrug, wäre vielleicht angemessen gewesen, hätte er in seiner Hymne einen griechischen Gott besungen. Doch wer war mit diesem «holden Sonnenjüngling» gemeint, wenn nicht wieder irgendein Strichjunge?

Leider gab es in der ganzen Wohnung meines Gastgebers nichts zu saufen. Unter diesen Umständen bestand kein Grund für mich, den Abend zu überziehen. Und Willi, der gearbeitet haben musste, war wohl auch froh, wenn es nicht allzu spät wurde. Er gab mir die Abfahrtszeit des nächsten Zuges, der nach Oerlikon fuhr, an und verabschiedete sich mit einem warmen Händedruck. Draussen war inzwischen die Nacht hereingebrochen. Wenn man vom Greifensee auch nichts sah, so roch man ihn doch wenigstens. (Ein Geruch, der mir umso vertrauter war, als ich an der Glatt, dem Abfluss des Sees, aufgewachsen war.) Als hätte ich vorausgeahnt, dass ich innert anderthalb Stunden auf demselben Weg zu Link zurückkehren würde, prägte ich mir die Lage der Häuser und die Strassennamen bewusst ein.

Das Restaurant, in dem wir zu Abend gegessen hatten, war noch offen. Ich bestellte ein Fläschchen Spezialbier und schaute auf die Uhr. Wenn ich statt dem nächsten erst den übernächsten Zug nahm, konnte ich noch ein weiteres Fläschchen trinken. Nun, nach dem Gespräch mit Willi Link, bei dem er rückhaltlos offen gewesen war, wurde mir klar, dass er sich nicht mehr an den Anfang unserer Bekanntschaft erinnerte. Er wusste nicht mehr, dass ich einer der kleinen Jungen gewesen war, an denen er sich vor zehn Jahren vergangen hatte. Es war der kleine Rolfli gewesen, der Nachbarsjunge, der mich ihm zugeführt hatte. Ja, die Familien Links und Hilperts wohnten unmittelbar nebeneinander. Mein Schulkamerad, der längst von ihm abgerichtet worden war, griff ihm, als wir zu dritt in seinem Zimmer waren, vertraulich in den Schritt und fragte: «Ist er schon hart?» Dann liess er mich allein mit ihm.

Willi hatte heute so mit mir geredet, als wäre nie etwas gewesen zwischen uns. Dabei hätte meine Entwicklung ohne ihn einen ganz anderen Verlauf nehmen können – einen normalen Verlauf. Auch wenn jener Zwischenfall damals mich nicht aus der Bahn warf, so gab er meinem Leben doch eine Wendung, die nicht vorgesehen war. Die Frage war nur, ob ich Link deswegen böse oder dankbar hätte sein sollen. Ich neigte eher zur Dankbarkeit, weil ich nicht viel Wert darauf legte, so wie jedermann zu sein. Seit meinen Besuchen bei Roswitha zweifelte ich allerdings ein bisschen an mir selbst: Was war ich denn nun eigentlich, hetero-, homo-, bi- oder asexuell? Andere in meinem Alter waren schon lange nicht mehr unbeweibt; sie brauchten sich nicht mit solch einem lächerlichen Problem herumzuschlagen.

Noch bevor ich ausgetrunken hatte, kam der Kellner an meinen Tisch und kassierte ein. Offenbar war ich der letzte Gast. Als ich das Restaurant verliess, wurde es geschlossen. Vor dem Fahrplan stehend, sah ich erst, dass der Zug, den ich ausgelassen hatte, der letzte gewesen wäre. Einzig am Sonnabend fuhren die Züge bis Mitternacht. Ich trat in die Telefonkabine, um Willi anzurufen. Er erklärte sich bereit, mich bei sich übernachten zu lassen. Denselben Weg zwischen Äckern und Feldern hindurch zurück zu den Häusern der Neubausiedlung.

Es schien, als wäre Willi, als ich klingelte, drauf und dran gewesen, vor dem Fernseher einzunicken. Leicht verstimmt wirkend, reichte er mir ein Kissen und eine Wolldecke. Ich hatte ihm am Telefon versichert, dass ich seine Gastfreundschaft nicht strapazieren wollte und zufrieden wäre, wenn ich mich auf dem Fussboden ausstrecken könnte. Er selbst legte sich, da er sein Schlafzimmer als Atelier benutzte, auf das Sofa, dessen Matratze er bereits herausgezogen hatte. Hatte ich nicht schon vor drei, vier Jahren, als ich mit Rolf und Delphine hier gewesen war, auf dem Spannteppich geschlafen?

Ich blätterte, bis Willi das Licht löschte, noch etwas in Hubert Fichtes neuem Buch; dann liess ich meinen Kopf auf das Kissen sinken. Die Kleider, die ich ausgezogen hatte, lagen in Reichweite auf einem Sessel. Wie immer, wenn ich nicht im eigenen Bett lag, hatte ich einen leichten Schlaf. Trotzdem musste ich eine Zeit lang weggewesen sein. An den Traum, den ich hatte, erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiss nur noch, dass ich mitten in der Nacht, von einem heftigen Orgasmus durchgeschüttelt, aufschrak. So angestrengt ich auch horchte, ich vernahm keinen verdächtigen Laut in der Dunkelheit. Nachdem ich mich beruhigt hatte, legte ich mir meine Kleider über den Arm und tappte damit lautlos ins Badezimmer. Dort schloss ich mich ein und machte das Licht an. Meine Unterhose warf ich ins Lavabo, um sie auszuwaschen, sobald ich geduscht hatte. Danach stieg ich in meine Jeans und versteckte die Unterhose, die ich ausgewrungen hatte, für einstweilen. In der Hoffnung, nochmals einschlafen zu können, legte ich mich wieder hin.

Was war in dieser Nacht bloss geschehen? Dass mir ausgerechnet unter Voraussetzungen wie diesen ein Schuss abgehen würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Ich hütete mich jedoch, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen. Was bewies die Tatsache schon, dass ich bei einem Schwulen, der im selben Raum schlief wie ich, ejakuliert hatte? Vielleicht hatte er in dem Moment, wo mir dies passiert war, einfach zu lebhaft an mich gedacht? Es war ja nicht undenkbar, dass er auf telepathischem Weg einen Samenerguss bei mir auslöste, indem er sich in seinem Bett auf mich konzentrierte. Bedauerlich war nur, dass es dazu nicht bei Roswitha gekommen war. Bei ihr hätte man ein solches Vorkommnis noch zu meinen Gunsten auslegen können.

Am nächsten Morgen war Willi Link wieder gut gelaunt, wie am Vorabend. Er brachte zwei Tassen Kaffee aus der Küche herein und setzte sich, noch in der Unterwäsche, zu mir auf den Fussboden. Wenn er von der Verlegenheit, in die ich nachts geraten war, etwas mitbekommen hatte, liess er sich nichts davon anmerken. An seine gestrigen Ausführungen anknüpfend, sprang er auf und holte einen Stapel von Poesie- und Fotoalben aus dem Atelier, die ausschliesslich seinen Sonnenjünglingen gewidmet waren. Im Schneidersitz am Boden hockend, blätterte er die Alben der Reihe nach durch und wies mich auf die besonderen Vorzüge seiner verflossenen Liebschaften hin, wobei diese, je öfter er sie fotografiert hatte, umso weniger Kleider am Leib trugen – am Schluss waren sie jeweils zur Gänze nackt. Ich liess seine Schwärmereien, verständnisvoll nickend, über mich ergehen, ohne seine Begeisterung nachvollziehen zu können. Die Idealisierung von Knabengestalten war mir zwar nicht neu, hatte ich doch Stefan Georges Huldigungen an Maximin auch gelesen; aber sie liess mich kalt. Während Link sich wieder in Feuer redete, schöpfte ich insgeheim den Verdacht, dass er mich zur Knabenliebe zu bekehren versuchte. Umsonst. Was immer sich in seiner Unterhose, in der er mit gespreizten Beinen vor mir sass, auch regen mochte, es interessierte mich nicht im Geringsten.

Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte, begab ich mich auf den Heimweg. Auf den Regionalzug wartend, fragte ich mich, ob ein heterosexueller Mann wohl auch nichts anderes als Mädchen im Kopf hatte. Wo käme man denn da hin? Das war doch kein Lebensinhalt – oder? Ich sah jedenfalls nicht ein, was Willis Schwanzbesessenheit mit «geistigen Interessen» hätte zu tun haben sollen. Mag sein, dachte ich, dass ich ein trockener Knochen bin – zu trocken für menschliche Leidenschaften.

Nach den Achtzigerjahren, welche die Aids-Welle mit sich gebracht hatten, hörte man nichts mehr von Link. Über meinen denkwürdigen Besuch bei ihm habe ich nie jemandem etwas gesagt.



Dienstag, 19. Mai 2026

Bzw. ۲ ۷ ۵ [»Gurken« von Val Sidal]

 


[Luis Egidio Meléndez »Stillleben mit Gurken, Tomaten und Gefäßen« (1774)]







[Nazim Hikmet (1902 - 1963)]








[Joe Pass »Nuages« (1964)]




When I was young, I would pick up the guitar and go off into the forest, and I would play all day, to the birds, to the trees, to myself.

[Django Reinhardt (1910 - 1953)]




Gurken und Gitarre



Wenn du Feierabendkonzertmeister bist, dann ist es vorteilhaft, wenn dein Auftritt auf halber Strecke vom Büro nach Hause liegt.

Den ganzen Tag hatte ich den Gitarrenkoffer unter meinem Schreibtisch zwischen den Beinen – sozusagen.

Meine Kollegin hatte mich auf die Location aufmerksam gemacht. Aus dem kostenlosen Stadtblatt hatte sie eine Annonce des Bistros ausgeschnitten.

Guck mal, sowas könntest du doch dort auch machen“, hatte sie gesagt. Der Auftritt eines Singersongwriters wurde in einer ansehnlichen Aufmachung angekündigt. Und sie hätte auch schon mit der Inhaberin eine Gage von 50 Euro für mich ausgehandelt.

Eine Woche später las ich die Anzeige im Stadtblatt:

Großer Gitarre-Abend!

Der großartige Konzertgitarrist Ladyslave spielt Jazz mit freudigem Flamenco und schwingendem Samba.

Die Kirsch-Ornamente ließen Böses erwarten.

Nach Feierabend packte ich meinen Gitarrenkoffer und fuhr ins Bistro. Eine Stunde zum Aufwärmen und Einspielen.

Ich betrat die Lokalität. Ich hatte mich getäuscht. Die Wirtin hatte nicht die Anlage zu laut gedreht.

An den zwei Tischen hinten saßen zwölf Gäste, aßen Calamari fritti, schmetterten Mallorca-Hits und rasselten und klapperten mit Besteck-Kastagnetten ein Chaos, das sie für Flamenco-Compás hielten.

Ich bat um etwas Ruhe, weil ich meine Gitarre nicht hörte. Zum Stimmen.

Als ich begann, wurde die Samba-Truppe kurz etwas lauter, pendelte sich aber anschließend auf eine Lautstärke ein, die es einem etwa fünfzehnjährigen Jungen ermöglichte, mich aus zwei Metern Entfernung zu hören. Er war sehr interessiert.

Vor der Pause zeigte ich ihm, wie man Desafinado im Charlie-Byrd-Stil spielen kann. In der Pause bestellte ich Wiener Schnitzel mit Pommes und ein Bier. Nach der Pause zeigte ich ihm mein Arrangement von Django Reinhardts Stück Nuages.

Mit 50 Euro bar und steuerfrei verließ ich nach zwei Stunden die Bar – bar jeder Enttäuschung.

Der Gurkensalat hatte ja sehr gut geschmeckt.


Sonntag, 19. April 2026

Z. Z. LXVI [»Too Much Monkey Business XVII« (2026)]

 


[Pieter Bruegel the Elder »Two Monkeys« (1562)]



Everybody's

                    Got

Something

                       to

Hide

Except

                  Me

and

My

          Monkey

[John Lennon (1968)]




[Chimpanzee Congo »Painting« (1956 - 1958)]




Too Much Monkey Business


Year by year,

the monkey's mask

reveals the monkey.

[Matsuo Bashō (1644 – 1694)]



Payphone, somethin' wrong, dime gone, will mail

I ought to sue the operator for tellin' me a tale, ah

Too much monkey business, too much monkey business

Too much monkey business for me to be involved in


I been to Yokohama, been fightin' in the war

Army bunk, army chow, army clothes, army car, ah

Too much monkey business, too much monkey business

Too much monkey business for me to be involved in


Workin' in the fillin' station, too many tasks

Wipe the windows, check the tires, check the oil, dollar gas, ah

Too much monkey business, too much monkey business

I don't want your botheration, get away, leave me be


Too much monkey business for me

[From: Chuck Berry »Too Much Monkey Business« (1956)]



Karl Ludwig erzählte nicht von früher, wie die meisten Männer seiner Generation, schon gar nicht vom Krieg. Wohl war einmal von Griechenland die Rede gewesen. Ob er wirklich ein Fallschirmjäger gewesen war? Das klang schon einmal abenteuerlicher als alles, was man sich bei ihm vorstellen konnte. Dann wäre er ja regelrecht sportlich gewesen, sogar mutig, der Karl Ludwig. Vorm Krieg hatte er ein Motorrad gehabt. Davon konnte er ein Foto zeigen. Na ja, auf diesen Vehikeln saß man in Knickerbockern mit Ballonmütze. Das war nicht gerade das, was man sich unter sportlich vorstellte. Und dann benutzte er auch komische Wörter. Ein Feuerzeug sei das gewesen, das Motorrad, dieses Ding mit den zwei Sätteln wie für Fahrräder, aber jeweils für einen Riesenhintern. Eine Brille konnte nicht einfach eine Brille sein, er musste Nasenfahrrad sagen, oder noch schlimmer: Spekuliermaschine, und man sollte das lustig finden. Spekuliermaschine. Irgendwie war alles muffig an diesem Karl Ludwig.

Von Albins Vater gab es ein paar Soldatenfotos als Matrose. Aber er war wohl bloß bei der Küstenwache gewesen, fuhr also nicht einmal mit dem Schiff. Und Schiffe waren auch eher nichts Gefährliches, schon gar nicht an der Küste. Dafür spielten Seeleute Schifferklavier, natürlich nicht alle, der Vater aber schon. Oder war das nur für das Foto? Man kannte das vom Fotografen. Da wurden kleinen Kindern Teddybären in den Arm gelegt. Oder beim Schulanfang saß man vor einer großen Landkarte, die Haare mit Wasser gescheitelt, und auf eine Schiefertafel hatte man geschrieben Mein erster Schultag, was auch ein Witz war, schließlich konnte an seinem ersten Schultag keiner schreiben! Auch später noch lange nicht. Da malte man mit seinem Griffel langweilige Spazierstöcke, Girlanden und Arkaden, wie die Lehrerin betonte. Da wusste man noch lange nicht, was das mit den Arkaden zu tun hatte, wo das Geschäft vom Uhrmacher war. Dahin brachte die Mutter ihre Uhr, und nachher ging sie wieder ganz genau. Den Quetschkasten vom Vater auf dem Foto hätte Albin schon gerne einmal ausprobiert. Im Radio hatte es geheißen, Will Glahé sei das gewesen, der so flotte Musik auf der Ziehharmonika spielte. Wenn es doch auch ein wenig altmodisch klang. Rock and Roll brachte man eher nicht fertig auf so einem Ding. Einen Balg hatte das, so ein Gewabbel von lauter Falten. Bei einem Seemann sah es aber gut aus. Und der Vater sowieso. Ein schöner Mann, ein richtiger Herzensbrecher, hatte die Schwester einmal gesagt, er war ja nicht immer krank gewesen. Und Noten hätte er lesen gekonnt, das hätte er der älteren Schwester mit ihrer Blockflöte beigebracht. Unter den Arkaden gab es ein Fotogeschäft. Man müsste einmal fragen, ob sie für Seemannsfotos ein Akkordeon hatten. Der Eingang war direkt neben dem Warenhaus mit der langen Rolltreppe.

Aber dann wären wir ja nicht mehr frei! Das weiß ich von meiner Mutter. Sie hatten damals diesen großen Fehler gemacht, wie so viele. Man kann dann nicht mehr ohne es sein. Und man hat dem anderen etwas genommen, was man nicht mehr zurückgeben kann. Berthold und ich, wir sind noch frei. Was uns verbindet, das ist nichts anderes als ein Versprechen. Nicht einmal ein Wort. Wir schulden einander nichts, außer dass wir uns selber treu sind, so gut wie es eben geht. Und das wissen wir einfach voneinander. Schon es auszusprechen würde etwas daran zerstören. Mit meiner Mutter spreche ich darüber. Ich muss nicht, aber ich spüre genau, welches der richtige Moment ist für ein Thema wie dieses. Sie sagt, sie hätten es falsch gemacht damals. Es war eben der Zeitgeist, man begehrte auf, wollte alle Schranken durchbrechen. Und so ist es ja auch heute. Alle tun es, und es ist auch viel leichter als früher, weil man sich vorsehen kann. Aber das ist es ja gerade, dass es darauf angelegt ist, dass es folgenlos bleibt.“

Stille. Der kleine Wecker tickte auf dem Couchtisch neben dem Aschenbecher, der jetzt schon ziemlich voll war. Verena griff nach der Uhr. Sie kannte den Mechanismus des Reiseweckers, den man platzsparend zusammenfalten konnte. Schwer war er dafür immer noch. Es waren Zeiten, wo es beim Reisen weniger auf das Gewicht ankam, was fehlte, war Platz. Wie hier in dieser Wohnung, wo Albin noch so halb wohnte, denn seit dem Umzug schliefen im Ehebett die Mutter und Karl Ludwig, und Albin war auf die Wohnzimmercouch ausgewichen. Das war insofern kein Problem, als er, wenn überhaupt, sehr spät nach Hause kam, jedenfalls lange nachdem das Fernsehprogramm geendet hatte. Und da sich das Leben tagsüber in der Küche abspielte, war es egal, dass er das Wohnzimmer belagerte.

Man würde eines Tages in Zeiten leben, die auch den Glauben an die Psychosomatik verloren hatten, wie schon den an Esoterik und Religion sowieso und zuletzt sogar den an die befreiende Kraft des Sexualathletismus. Worin, wenn weder im Schmerz noch in der Lust, sollte dann irgendein Heil noch gefunden werden können? Es musste doch ein Medium der Glückseligkeit geben! Was aber, wenn auch angesichts der totalen Medialisierung eines künftigen sogenannten digitalen Zeitalters schiere Heillosigkeit sich Bahn brechen würde, weder als Schmerz noch durch Lust?

Das Nachdenken über das Glück konnte beglückend sein, war es aber wie alles andere auch in der Regel nicht. Nach welchen Spielregeln spielte das Glück? Den Unglücklichen in ihrem Unglück wurde selbstredend Beglückung durch Reflexion über das Glück nicht zuteil. Nichtsdestotrotz haderte auch ein Glücklicherer mit dem Glück. Albin empörte, sich als Sklave seines Glückes fühlen zu müssen. Crystal Rose war ein Gift seines Glückes und seines Zornes zugleich. Ja, er war bereit, sich dem Glück hinzugeben. Gleichzeitig empfand er es als Demütigung, sich auszuliefern und demzufolge ausgeliefert zu sein.

Jetzt hatte Albin beim Hausmeister Seidel ordentlich zu Mittag gegessen. Ob denn seine Mama sich nicht sorge, wenn er nach der Schule nicht nach Hause kam? Nein, die wisse, dass er schon ziemlich gut selber zurechtkam. Und er habe auch einen Schlüssel, denn manchmal läge zu Hause nur ein Zettel auf dem Tisch und Geld, damit er einkaufe und sich zu essen mache. Sie käme dann später schon.

Dem Lehrer Schröder wollte das eigentlich nicht gefallen. Aber was sollte man machen. Die Frau Wagner musste halt zurechtkommen. Und das tat sie am Ende, wie auch immer. Und ein guter Schüler war ihr Albin sogar, jedenfalls wenn er wollte. Was die anderen an Schularbeiten machten aus Angst vor Strafe, da haperte es bei ihm. Anfangs hatte Schröder versucht sich mit Härte bei ihm durchzusetzen. Da biss man bei Albin aber auf Granit. In den Klassenarbeiten war er dann immer unter den besten. Eigentlich hätte er das Zeug fürs Gymnasium, aber das sollte man ihm nicht antun. Mit der großen Schwester hatte sich neulich das Gespräch darüber ergeben. Und schon bei ihr hatte die Mutter nicht mitgespielt. Dabei hätte sie so gerne Lehrerin werden wollen. Na ja, einen Lehrer würde Herr Schröder nun gerade nicht sehen in dem Albin. Aber er ist ein fixer Kopf und macht am Ende seinen Weg überall. Ja, wenn man ihn lässt, da war er weniger optimistisch, sprach aber diese Einschränkung nicht aus.

Also, ich bin nicht der Typ ein Buch über mich zu schreiben. Wenn es sein soll, dann muss das ein anderer machen. Bücher sind sowieso nicht gerade das, womit ich mich auskenne. Lesen, ja, ich lese um mir die Zeit zu vertreiben. Meistens ein Heftchen am besten in einem Rutsch. Wie man an einem Buch eine ganze Woche lang lesen kann, ist mir ein Rätsel. Leute wie Berthold tun das. Wie oft habe ich ihm schon eins von meinen Heftchen liegen lassen, damit er was liest ohne Kopfzerbrechen. Er zerbricht sich aber lieber den Kopf. Darin ist er sich völlig gleich mit Püppi. Reden würden sie dann über die Schmöker. Wahrscheinlich halten sie Händchen dabei, oder danach, also nach dem Reden halt.

Mir ist klar, dass die Westernhelden und die Kerle in den Krimis erfunden sind. Aber dazu liest man doch nicht, damit alles so ist wie im wirklichen Leben. Davon hat man ja gerade genug, wenn man liest, man braucht auch einmal eine Pause. Berthold ist in punkto Pause eher nicht der Held. Der raucht nicht einmal. Püppi schon. Das sind mir zwei, die beiden!

Liebesbriefe also, Bertel.

Wovon redest du, Püppi?

Unten links in Tante Käthis schwarzer Kommode. Gut versteckt, mein Schatz. Das muss man dir schon lassen.

Liebesbriefe?

Tu bloß nicht so.

Ich schriftstellere. Poesie, das ist alles.

Willst du mich für blöd verkaufen? Seit über zwei Wochen brodelt's in mir. Eine Erklärung, los Berthold!

Fernste Vorvergangenheit, Verena – und doch wie gestern!

Du faselst, Berthold! Quaquaqua, Bert! Sei still und hör zu: „Vanessa, die Erscheinende, sie leuchtet, einer Schar von Glühwürmchen gleich, von stärkerer Strahlkraft indes.“ - Glühwürmchen!

Verena!

Diese Augen! ... Da lag alles drin ... der ganze, alte Dreckball …“

Beckett, Verena! - Der Ire.

... Glanz des andamanischen Meers, die Erhebungen des Doi Inthanon, Silberhaargras und Grüntauben.“

Thailand, Püppi.

Ich kenne die Worte, Berthold. Deine Abwesenheiten. Ich habe dich durchschaut; ein für alle Mal. „Sie suche nach fremden Orten, Meeren, Bergen, großen Städten und kleinen Dörfern: anderen Sprachen, anderen Gerüchen, anderen Geräuschen. Am Ende, so sagt sie, sei das Unterwegssein mehr als nur der Weg von A nach B; es sei ein Teil des Lebens. Auch wenn man nicht immer finde, was man suche, habe man unterwegs etwas über die Umgebung, den Ball und sich selbst erfahren; letztlich seien wir doch alle miteinander verbunden.“ - Bolivien, Berthold! Bolivien.

Tausend Erklärungen könnte ich dir geben, Verena.

Achtung, Achtung! - Von oben herab, in diesem Fall vom Flugzeug aus, habe sie sich, als solche undefinierbar, fest dazu entschlossen, dem Drang des Reisens Achtsamkeit zu zollen: Achtsamkeit sich selbst gegenüber. Sie sei es wert, sich um sich selbst zu sorgen, sagte sie zu ihrem Spiegelbild, das sie Minna nannte, sechzehn Jahre alt, bewundert für ihre großen Träume, ihre Selbstständigkeit und Wissbegierde. Bewusst achte sie fortan die limitierte Zeit, die Momente und Gerüche sowie den Geschmack etwa des Kaffees.”

Angenommen, jemand sagte in wütendem Tonfall: Weißt du eigentlich, wie spät es ist?” - so lächelte sie ihn freundlich an. Es gebe nichts zu verlieren auf der Reise, so Minna; nichts weiter.

Püppis Augen, vermutlich in der Folge von Bertholds Verrat, wie sie es bezeichnete, erkalteten im Laufe der Zeit, ganz so, als sei sie von innen nach außen versteinert. Albin vermutete, das Verhältnis der beiden hatte seither seine Unschuld verloren. Sie entschloss sich, fortan selbstbestimmt zu leben, traf sich monatlich mit gleichgesinnten Frauen, Grisetten, wie Berthold sie nannte, in einem Lesekreis und entdeckte ihre Leidenschaft für die Backkunst, Heil- und Küchenkräuter sowie die Astrologie.

Aus der katholischen Kirche ist sie unlängst ausgetreten“, das hatte Püppi Albin sogleich berichtet, gewissermaßen erhobenen Hauptes durch den Mittelgang. Es gehe nicht an, dass alte Männer über die Seelen und Körper von Frauen Macht ausübten. Sie erwähnte die grausamen Tötungen von als Hexer und Hexen bezeichneten Menschen und fragte, wer Massenmördern im Namen Gottes weiterhin Vertrauen schenken könne. Sogar über die Rolle der katholischen Kirche während der NS-Zeit wusste sie etwas zu sagen. Die sei nämlich, von einigen Ausnahmen abgesehen, eher unrühmlich gewesen.

Püppi verzierte ihre Torten, die sie feierlich zum Verkauf anpries, akribisch und mit größtem Aufwand, arbeitete virtuos mit kalligraphischen Dekorationen und verlas ihre Aufzeichnungen zur Zubereitung der kunstvollen Kreationen zu Beginn einer jeden Zusammenkunft im Lesekreis.

Den Backofen auf 175 °C Ober- und Unterhitze vorheizen. Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Mehl, Speisestärke, beide Zuckersorten, Kakao, Backpulver, Natron und Salz vermischen. In einer separaten Schüssel Eier, Öl und Joghurt mit dem Handmixer eine Minute aufschlagen. Den warmen Kaffee zugeben und verrühren. Die trockenen Zutaten sieben und vorsichtig unterheben. Den Teig gleichmäßig auf dem Backblech verteilen und 17–20 Minuten backen. Vollständig auskühlen lassen.

Der Katholizismus”, da war Albin sich sicher, bleibt wie alle Religion als Religiönchen Bestandteil der einmal Eingeschworenen, oder nicht, Berthold? Aus einer Kirche rausgehen ändert nicht viel! Überall warten eifrige Gelegenheitsmissionare, leidenschaftliche Inquisitorinnen mit ihren klugen Reden, kleine Tyrannen, machtgeile Herrschsüchtige, Hinterhältige mit ihrer Verlogenheit. Und die Gedemütigten blicken auch noch zu ihnen auf! Alles eine Suppe oder Soße. Duldung von Andersdenkenden ist bloß Manöver und eine Strategie für den großen Coup.

Wie in allen anderen Religiönchen auch, Albin.”

Den Profitreligiönchen.

Dem Gott des Ballspiels.

Statistics 'n' Rankings: Hip Hop Bop 'n' fake Rap 'n' …

Stockhouse 'n' Popapp 'n' Rockburger.

Striptease Blooz.

Shampoo 'n' Tattoo.

Deals 'n' deals.

Top 'n' money with warm lemonade.

Der eine Einzige, das große Einerlei, das spektrale Ei.

Eifer.

Morde.

Serienmorde.

Massenmorde.

Völkermorde.

Rückschritte: In Normen.

In eben jener Reihenfolge.

Schlachtfelder.

Vergeltungsschläge.

Hinrichtungen.

Rückschritte: Im Konsens.

Fleischeslust.

Me, too.

Unter Schriftführern und -führerinnen.

Schwarz auf Weiß.

Demonstrantinnen und Demonstranten.

Blutrot.

Based on true events.

Werbung.

Kavalleristinnen und Kavalleristen.

Im Wettkampf mit Pferdestärken.

Tierschutz.

Parteigängerinnen und Parteigänger.

Nudistinnen und Nudisten; athletisch.

Ansonsten, gleich ob bejahend oder verneinend, Gesänge der Liebenden …

Tanzenden, Verwöhnten …

Verzweifelten, Einsamen …

Gottesanbetenden …

Getäuschten und Enttäuschten: Heartbreak Hotel.

Innen und Außen: Too much monkey business.

Aporie, Albin.“

Beats 'n' Beethoven.

Unter den Ingenieuren war Berthold der einzige, der auch ein zweites Mal in ein exotisches Land flog, um dafür zu sorgen, dass die Maschinen so aufgestellt wurden, dass sie am Ende auch funktionierten. Die Container waren dann bereits aus dem Zoll geholt, dabei störte ein Ausländer bloß.

Spezifische Empfindlichkeiten der Ingenieurskollegen machten sich schon im europäischen Ausland nur allzu bald bemerkbar. Zwar waren sie des Englischen einigermaßen mächtig, stellten aber rasch fest, wie einen das Kauderwelschen ermüdete, so dass man froh war, die technischen Themen soweit ausgehandelt zu bekommen. Aber schon in der Kantine suchte man Kontakt zu Landsleuten oder wollte besser wenigstens in Ruhe alleine essen. Hätte es schon Smartphones gegeben, wäre einem eben kauend das Wischen auf dem Bildschirm lieber gewesen. Blieben noch die Feierabende. Natürlich machte man anfangs mit, wenn es gemeinschaftsfördernd zum Bowling ging, oder in eine Kneipe, am ehesten noch in eine Disco mit der üblichen lauten Musik. Je vertrauter man sich wurde, desto besser verstand man, dass ein Kollege am Abend lieber zu Hause blieb, im Hotel, im Firmenappartement, oder wie auch immer man untergebracht war.