Mittwoch, 20. Februar 2019

Bzw. ۲ ۲ ۴ [Zehn Standpunkte mit sechs »Sichtwinkeln« von Nachgeborenen, geboren um die Jahrtausendwende]



["Einsicht", Michelle Schneider]



Jeder Lehrer, der nicht völlig blind durch die Welt stolpert, lernt von seinen Schülern, ob man dies Unterricht nennt oder nicht; und ein lernbegieriger Mensch wird kaum auf die Fragestellungen unbefangener junger Menschen, seien es auch „nur“ Kinder, verzichten wollen. [Herbert Henck]


I.

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
[Bertolt Brecht]

Besiedelung

Neulich sah ich den Film "Der Marsianer", in dem es um einen Mann geht, welcher zusammen mit einem Team von Wissenschaftlern zum Mars geflogen ist. Dort soll er den Grundstein zur Besiedelung des Mars legen. Jedoch kommt es zu unerwarteten Komplikationen und er sitzt anschließend allein, 80 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, auf dem Mars fest. Auch in der sogenannten Realität arbeiten viele Wissenschaftler weltweit daran, die Probleme, die bei der Besiedelung des Mars auftreten können, zu lösen. Aber warum wollte man den Mars überhaupt besiedeln und Millionen von Kilometern reisen, um auf einem lebensfeindlichen Planeten ohne Sauerstoff zu leben?
Zuerst möchte ich erläutern, warum Menschen überhaupt einen anderen Planeten besiedeln wollen. Gewiss hat dies mehrere Gründe, doch einer dieser Gründe ist der grenzenlose Forschungsdrang des Menschen. Die Weltraumpioniere haben das gleiche Ziel wie beispielsweise Christoph Kolumbus, denn ihr Ziel ist es, eine Umgebung, die dem Menschen bis jetzt noch fast unerschlossen ist, zu erforschen. Dabei nehmen sie alle Risiken auf sich und begeben sich auf eine lange gefährliche Reise, ohne zu wissen, ob sie überhaupt Erfolg haben werden. Die Besiedlung der Mars wäre in gewisser Hinsicht ein gewaltiger evolutionärer Schritt und hätte große Auswirkungen auf das Leben der nächsten Generationen. Außerdem wäre das Problem der Überbevölkerung auf unserem Planeten aller Voraussicht nach gelöst und das Überleben der menschlichen Rasse vorerst gesichert.
Der verborgene Anlass für die Besiedelung ist die Zerstörung unseres Planeten. Wir Menschen produzieren nahezu ausschließlich Müll und verunreinigen, durch unsachgemäße Entsorgung, unsere Umgebung, also unsere Umwelt. Ist die Kolonialisierung anderer Planeten indes wirklich ein Ausweg? Sollte man sich nicht eher darauf konzentrieren, wie man noch möglichst lange auf unserem Planeten leben kann und die Probleme, die wir auf der Erde haben, mit aller Entschlossenheit lösen, anstatt zu versuchen, einen anderen Planeten zu kolonialisieren für den Fall, dass wir hier nicht mehr leben können?
Meiner unmaßgeblichen Meinung nach ist die Kolonisierung des Mars ein gewaltiger evolutionärer Schritt, mit dem einige der momentanen Probleme gelöst wären, jedoch sollten sich die Menschen nicht darauf verlassen, dass wir eines Tages auf einen anderen Planeten umgesiedelt werden können, wenn wir die Erde zerstört haben. Denn: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Erde endgültig und unwiderruflich unbewohnbar ist, wenn wir unseren Lebensstil als Konsum- und Wegwerfgesellschaft nicht ändern. Jeder kann etwas dafür tun, dass auch die nachfolgenden Generationen noch auf der Erde leben können. [Calvin Altenhofer]

II.

Living is easy with eyes closed
Misunderstanding all you see
[The Beatles]


Fortschritt – Das „Fortschreiten“ der Menschlichkeit von der Erde

Es ist wie jeden Abend, ich schalte den Fernseher ein, möchte eigentlich nur gemütlich einen Film schauen - und zack: Fünf Minuten später wird der Film plötzlich abrupt gestoppt und ich erfahre, dass es nun endlich das brandneue Samsung Galaxy S9 gibt - viel leistungsstärker, viel moderner und, nicht zu vergessen, viel teurer als mein altes Samsung Galaxy S8, welches ich erst vor einem halben Jahr gekauft habe.
Dass für dieses weltverändernde neue Flaggschiff Kinder tage- und sogar ganze nächtelang für einen jämmerlichen Lohn bis an ihre Schmerzensgrenzen gearbeitet haben, das interessiert natürlich nicht. Alles was zählt ist doch, dass ich nun meine nächste Urlaubsreise um 0,01 Sekunden schneller buchen kann. - Ich will doch nicht rückschrittlich sein!
Es muss alles immer schneller, immer besser, immer leistungsstärker und immer rekordverdächtiger werden. Wir Menschen sind dabei längst überflüssig, dafür haben wir Maschinen erschaffen, die unsere körperliche Arbeit übernehmen, während unsere Psyche unter dem unglaublichen Druck, den nächsten „Highscore“ zu brechen, leise zerbricht.
Etwas weniger still zerbricht auch unsere Erde, unser Lebensraum; doch es scheint mir, als hätten wir bereits ganz fortschrittlich Abwehrmechanismen entwickelt, die uns die Hilfeschreie unserer Erde in Form von Hitzewellen, Tsunamis oder Erdbeben gar nicht mehr wahrnehmen lassen. Wir haben ja Plan B schon im Visier: Die Besiedelung des Mars. Also alles halb so schlimm!
Nach mir die Sintflut!“, so der neue Lifestyle - supereffektiv und superfortschrittlich.
Welchen Planeten knüpfen wir uns eigentlich als nächstes vor, nachdem wir den Mars ebenfalls erfolgreich ausgeraubt und völlig zerstört haben? Vielleicht den Jupiter? Oder vielleicht doch lieber den Saturn? [Jana E.]




                                                     ["Voraussicht", Michelle Schneider]


III.

Werbung

Ich öffne Google, um mich über die Ausbildung zu informieren, die ich nach dem Abitur machen möchte. Ich habe nicht die geringste Chance etwas einzugeben, da flackert schon die erste Werbeanzeige auf und unterbricht mich: Amazon zeigt das Buch, das ich soeben dort bestellt habe. Ich schließe genervt die Werbung und widme mich wieder meiner Suche. Mehrere Seiten werden mir vorgeschlagen, aber wie üblich kann man die ersten drei ignorieren; also Wikipedia. Ich finde eine vielversprechende Seite und öffne sie. Wieder eine Werbeanzeige. Ebay zeigt mir weitere Bücher des Autoren von dem gerade bestellten Buch. Ich schließe die Werbung und sehe die Internetseite. Zuerst nehme ich erneut die bunten, grellen Werbeanzeigen am Rand wahr: Adidas, Nike und Co. - natürlich interessiert mich das total. Darum habe ich die Seite geöffnet. Ich lese Artikel über die Ausbildung, aber erfahre nicht, was ich wirklich wissen will. Wie immer. Ich gehe zurück zu Google und öffne die nächste Seite, wieder unterbrochen von einer Werbeanzeige. Diesmal ist es Audible; da kann ich mir das bestellte Buch auch noch anhören. Die nächste Seite ist auch voller Werbeanzeigen und genauso wenig informativ wie die erste Seite. Ich suche noch eine halbe Stunde auf zwei weiteren Seiten mit Unterbrechungen von Netflix und Maxdome, damit ich mir gleich noch den Film zum Buch anschauen kann. Ich habe immer noch nicht erfahren, was ich erfahren wollte und bin mittlerweile zu Tode genervt von den vielen Werbeanzeigen. Es zählt wohl nicht mehr, dass sich Menschen im Internet über ihren zukünftigen Weg informieren wollen. Das ist ja auch unwichtig. Hauptsache die Werbung stimmt und ist blendend auf die Interessen des Benutzers abgestimmt. Ich fahre den Computer herunter und nehme kurz das Handy in die Hand, um eine Nachricht zu lesen. Als ich mich endlich durch den Dschungel aus Werbeanzeigen von Amazon und Co. vorgekämpft habe, bin ich so genervt, dass mich die Nachricht nicht mehr interessiert. Das Handy weiß nämlich auch über die Bestellung Bescheid. Alle sind superinformiert über mein Leben außer ich selbst. Aber das ist ja auch zweitrangig, nicht wahr? [Laura T.]



                                                     ["Aufsicht", Michelle Schneider]

IV.

Schönheitsideale

Wie so oft in der Woche erledige ich einen Einkauf. Ich gehe durch die Regale, komme ganz von den Produkten ab. Ich bin abgelenkt. - „Was ich sehe?“ - Es ist eine sehr korpulente Dame, daneben zwei junge, schlanke, gut aussehende Mädchen. Sie flüstern sich etwas ins Ohr, während sie immer wieder mit einem angewiderten Blick hinüberschielen. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wende mich von dem Geschehen ab und versuche weiter, den Einkauf zu erledigen. Als ich eine Zeitschrift in die Hand nehme, werde ich erneut konfrontiert mit dem Trend des Schlankheitswahns. Diesmal in Form einer Diät. Ich lege das Heft zurück, ohne es zu kaufen, und mache mich auf den Heimweg. Zu Hause angekommen wage ich mich vor den Spiegel und reflektiere das heutige Ereignis. - „Was hat es mit diesem Wahn auf sich?“ – Es scheint ein Bedürfnis zu sein, ein Drang, dem ein Großteil der Gesellschaft folgt. Der Weg zum optimalen Körper steht anscheinend im Mittelpunkt und medienbasierte Traumkörper stellen die Vision zur Verfügung. Entspricht man nicht diesem Ideal, wird man nicht akzeptiert. - „Doch wird man akzeptiert, wenn man dem Körperideal entspricht?“ – Dazu gehören wohl noch andere Komponenten, unter anderem etwa die Markenkleidung. Es ist fast wie ein Zwang der Masse, der die Menschen nicht nur zum Hungern bringt. [Lisa Dreher]

V.

Messer

Ist es nicht wahr, dass wir alle einem bestimmten Ideal entsprechen wollen oder eher gerecht werden müssen?
Die meisten Menschen denken bei einem Vorbild nicht an eine Person, die - wie soll man es ausdrücken, ohne diskriminierend zu werden? - etwas zu viel auf den Hüften hat, deren Haar nicht perfekt ist oder die ein schräges Lächeln hat.
Nein! Wieso denn auch? Aber woran könnte dieses Selbstverständnis liegen? Nicht etwa daran, dass alle Menschen, die nur einen Grad von Berühmtheit erreichen wollen, genau diese sogenannten Mängel nicht besitzen?
Der Großteil der High Society striegelt und poliert sich bis auf den letzten Millimeter, bevor wir ihn zu Gesicht bekommen. Gefärbte Haare, Schminke, falsche Wimpern und Nägel mit einem High Fashion Outfit kombiniert sind nicht das Einzige, das diese Personen auszeichnet. Sie magern sich ab, machen regelmäßig Sport und legen sich vielleicht sogar unters Messer.
Wie soll man diesem Ideal gerecht werden, fragen wir uns? Aber sollte man sich nicht viel eher die Frage stellen, warum man diesem Ideal gerecht werden will? Warum will man sich so etwas antun?
Die Antwort darauf ist sonnenklar: Um Anerkennung zu bekommen und um dem Ideal der heutigen Gesellschaft zu entsprechen. Wir machen es einfach, um dazuzugehören oder um zumindest ein Gefühl von Zugehörigkeit zu empfinden.
Aber zeichnen wir uns nicht gerade dadurch aus, dass jeder von uns einzigartig ist? Sollte nicht jeder trotz seiner Individualität dazugehören? [Phoebe]




                                                     ["Erdsicht", Michelle Schneider]


VI.

CITIUS, ALTIUS, FORTIUS ... das Motto der alle vier Jahre stattfindenden Olympischen Spiele. Übersetzt heißt dies so viel wie „schneller, höher, stärker“, wobei wir es eher als „höher, schneller, weiter“ im Sprachgebrauch nutzen. Diese drei Wörter kann man ohne weiteres auf den Leistungsdruck in der heutigen Gesellschaft übertragen. Von Zeit zu Zeit muss immer alles schneller, einfacher und besser funktionieren. Egal in welchem Bereich, ob im Sport, wie bei den Olympischen Spielen, in der Schule, im Beruf, in der sogenannten Freizeit, der Entwicklung der Technik et cetera: Überall geht es darum, sich mit anderen zu messen, besser als der andere zu sein. Schon in der Schule fängt es mit dem Notenvergleichen an. Man lernt für den angekündigten Tag der Klassenarbeit und an genau diesem Tag muss man dann seine Leistungen bringen, egal wie aufgeregt man ist oder ob man einen schlechten Tag hat. Und wenn es die Arbeit zurückgibt, geht es los mit „Was hast du?“, „Ich war besser als du!“, „Wir haben dieselbe Note, aber du hast zwei Punkte weniger als ich“ und so weiter. Nicht jeder kann überall gut sein und an sich kann man nicht jedes Individuum mit einem anderen vergleichen. Jeder hat seine Stärken und Schwächen in einzelnen Bereichen - und diese auf die Schulfächer zu begrenzen ist sehr fragwürdig. Um noch einmal zurück auf das Motto zu kommen, bei den Olympischen Spielen geht es doch darum, dass sich Sportler aus der ganzen Welt messen. Sie wollen jedesmal „schneller, höher, stärker“ sein als ihre Gegner, neue Rekorde aufstellen, das zu vertretende Land „glücklich“ machen – doch zu welchem Preis? Die Athleten trainieren wahrscheinlich schon, seitdem sie laufen können und machen nichts anderes. Wenn sie Glück haben, werden sie erfolgreich, gewinnen Preise, sind besser als die anderen! Wenn sie Pech haben, geht es nach dem Erfolg bergab. Den Druck, der auf einem liegt, kann man nicht immer so leicht wegstecken. Viele verlieren sich und stürzen durch den ganzen Leistungsdruck ab. War es dann den ganzen Aufwand wert? So gibt es vermutlich noch viele tausend Beispiele dafür, wie der Leistungsdruck unsere Gesellschaft bestimmt und verstimmt. [Kim B.]



                                                     ["Vorsicht", Michelle Schneider]


VII.

Maß

Ich stehe in einem der größten Sportläden Berlins. Ein paar neue Fußballschuhe sowie Schienbeinschoner will ich kaufen. Bei der Auswahl der Schienbeinschoner fragt mich die Verkäuferin: „Ja, hast du denn überhaupt schon einmal Fußball gespielt?“ Die Kritik am Frauenfußball ist deutlich zu hören. Doch wo liegt nun der Unterschied zwischen Frauenfußball und Männerfußball und warum ist Männerfußball beliebter? Die Zuschauerzahl eines Fußballspiels der Männer ist wesentlich höher als bei einem Spiel der Frauen.  Dies gilt nicht nur für die Zuschaueranzahl eines Spiels, sondern auch für das Einkommen eines Fußballers. Zugleich verdient der Sportler nicht bloß an einem Spiel, sondern auch an seinen Tätigkeiten außerhalb des Sports. Dies gilt insbesondere für die Werbung. Doch ist das der Sinn, dass ein einzelner Sportler solche Unsummen verdient? Meiner Meinung nach steht das in keiner Relation zu seiner Leistung.
Überall Werbung für Fußball. Doch überall nur Männer! Fußballweltstars werben für die unterschiedlichsten Marken. Auch wieder nur Männer. Sport ist logischerweise auch Markt. Firmen und Unternehmen können mit Männerfußball mehr Menschen erreichen. Durch diese Werbung wird Deutschland mit Fußballangeboten erdrückt. Man nimmt nur noch den Männerfußball wahr und wird lediglich damit konfrontiert.
Blickt man auf die WM 2018 zurück, wird das Phänomen offenkundig. Die WM der Männer erregt weitaus mehr Aufsehen als die der Frauen. Auf die Umstände wird dabei nicht geachtet. Das Geld der jungen Sportler steht im Mittelpunkt. Würde man all diese Investitionen für gute Zwecke nutzen, könnte man vielen Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Als Frau kann man solche Geldsummen in diesem Mannschaftssport bisher nicht verdienen. Änderte sich indes Maßgebliches, wenn es anders wäre? [Jana Dreher]

VIII.

Risiko

Wie schon in den letzten Tagen sitze ich als Rettungsschwimmerin am See. Es ist heiß und das Strandbad ist gut gefüllt. Wir haben den Tag über schon mehrmals die Durchsage gemacht, dass Kinder mit Schwimmhilfen und Nichtschwimmer nur im Nichtschwimmerbereich verbleiben sollen. Die meisten Eltern und Kinder halten sich auch daran, aber es gibt auch Einzelfälle, die das nicht beachten. Einige Eltern kommen auf die Idee, den Kindern die Schwimmhilfe auszuziehen, um dann mit ihnen zur Badeinsel zu schwimmen. Die Kinder halten sich an den Eltern fest. Darüber wird auch nicht weiter nachgedacht. Dass das eigene Kind eventuell abrutschen könnte oder man sich selbst überschätzt, ist dann Nebensache. Die Eltern riskieren so, für ein wenig Spaß, das Leben ihrer Kinder und vielleicht sogar ihr eigenes. Die Kraft lässt meist auf halber Strecke nach und man denkt: „Das schaffe ich jetzt auch noch!“ Oder: „Es ist vielleicht schon zu spät zum Zurückschwimmen.“ Mit letzter Kraft erreichen sie dann die Badeinsel und müssen erst einmal eine Pause machen. Über den Rückweg hat sich vorher natürlich niemand Gedanken gemacht. Vor allem an solchen Tagen mit viel Betrieb ist es schwer für uns Rettungsschwimmer, den Überblick zu behalten, vor allem wenn durch Sonnenschirme oder Strandmuscheln die Sicht auf das Wasser versperrt wird. Es zählt jede Sekunde und jeder möchte in einer Gefahrensituation Hilfe bekommen.
Man sollte vorher über die Risiken nachdenken und nicht erst, wenn es zu spät ist. [Annika Müller]

IX.

Über Wahrheitsfindung: Vermischtes – Nachrichten, aktuelle Informationen und News

Erst wenn das Kind über 5 Kilogramm auf die Waage bringt, ist es gegenüber Temperaturschwankungen unempfindlicher und kann sich ihnen besser anpassen. - Erst wenn das Kühlmittel eine Temperatur von ca. 80° C erreicht hat, gibt der Thermostat den Weg zum Kühler frei und öffnet damit den großen Kühlkreislauf. - Erst wenn das Gemüse vollständig mit Salzlake bedeckt ist, kann der Gärungsprozess beginnen. - Erst wenn das eigene Einkommen und Vermögen neben dem der Kinder nicht ausreichend ist, wird die Hilfe zur Pflege bewilligt. - Erst wenn das Lachen stirbt, erst dann sind wir verlor'n. - Erst wenn das letzte Feuerwehrauto eingespart wurde und kein Freiwilliger mehr das Ehrenamt ausübt, dann merken wir, dass Geld allein kein Feuer löschen kann. - Erst wenn das Schiff untergeht, merkt man, wie glücklich man am Lande war. - Erst wenn das geschmolzene Gestein unterm Vulkan flüssig wird, droht ein Ausbruch. - Erst wenn das Zucken dauerhaft auftritt, sollte man zum Arzt gehen. - Erst wenn es zu Ende ist, sehen wir, dass es keine Ziele gibt. - Erst, wenn das Schwein am Haken hängt, wird eingeschenkt. - Erst wenn das Berufsziel erreicht ist, gilt die Berufsausbildung als beendet. - Erst wenn das Produkt fehlt, wendet man sich an die Experten. - Erst wenn das alte Bankkonto nicht mehr genutzt wird, sollte endgültig gekündigt werden. - Erst wenn das Pflichtprogramm absolviert ist, kann man eigene Vorstellungen umsetzen. - Erst wenn das gesamte Eigenkapital genutzt wurde, kann das Darlehen Stück für Stück abgerufen werden. - Erst wenn das Gericht eine Ehe als gescheitert ansieht, kann es den Scheidungsantrag bearbeiten. - Erst wenn das letzte Gebiet geräumt ist, wird Ruhe in Syrien einziehen. - Erst wenn das Flugzeug die vorgesehene Reiseflughöhe von bis zu 10.000 Metern erreicht hat, kann man das WLAN an Bord auch nutzen. - Erst wenn das Fieber abgeklungen ist und der typische Ausschlag sichtbar wird, ist die Ansteckungsgefahr gebannt. - Erst wenn das Kind das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze – früher auch Freischwimmer genannt – erworben hat, kann es sicher schwimmen. - Erst wenn ein Kind überfahren wird, installiert man an einer viel befahrenen Straße eine Ampel. - Erst wenn das Ohrensausen länger als 48 Stunden anhält, spricht man von Tinnitus. [Internet]




                                                       ["Absicht", Michelle Schneider]

X.

Countdown

"OK, also beruhig' dich, fahr' deinen Puls 'runter und konzentrier' dich jetzt!" Unterschwellig ist nur das Plätschern der Dusche zu hören. Ich bin ganz in mich gekehrt, so wie jedes Mal zehn Minuten vor dem Start, ganz allein unter einer Dusche des Schwimmbads. Ich warte, bis die Dusche ausgeht, ziehe Badekappe samt Brille auf und wage den Weg nach draußen in Richtung Startblock. Jetzt stehe ich da, vollkommen in mich gekehrt und warte erneut, bis man meinen Namen und meine Bahn aufruft. Als es soweit ist, trete ich an den Startblock, mache noch einmal alle Muskeln locker und drücke die Brille fest aufs Gesicht. "Jetzt ist es soweit", denke ich und bevor ich einen weiteren Gedanken fassen kann, ertönen die ersten Pfiffe des Startsignals. Alles um mich herum bewegt sich verzögert wie in Zeitlupe. Beim Kommando steige ich auf den Startblock und begebe mich in Startposition; daraufhin folgt ein tiefer Atemzug und mit dem entscheidenden Pfiff bin ich auch schon im Wasser. Ich vergesse alles um mich herum und bin in Gedanken nur beim auszuführenden Schwimmzug. Meine Muskeln ermüden und beginnen zu brennen; irgendwie versuche ich das Ziel zu erreichen. Schon wenige Atemzüge später habe ich es geschafft und lechze am Beckenrand nach Luft. "Entschuldigung, welche Zeit habe ich?" Verschwommen erreicht mich die Antwort und ich kann es kaum fassen: Eine neue Bestzeit! Nun wiederholt sich die gleiche Prozedur bis zum nächsten Start. [Nila D.]


Kommentare:

  1. verlinkt: https://systemcrash.wordpress.com/2019/02/20/lesehinweis-gesellschaftskritik-der-millennials/

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  2. Keine Kreditprüfungsdarlehen sind Gelder, die von einem Kreditgeber auf ein Kreditnehmerkonto eingezahlt wurden, ohne dass eine Suche nach der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers durchgeführt wurde

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