Sonntag, 2. Juni 2019

Bzw. ۲ ۲ ۷ [»L'Inertie Polaire« (1994) de R. A. ol-Omoum pour Patricia Kopatchinskaja]



["Piano - pentru Liana", R. A. ol-Omoum (2002)]


Grundlage des Friedens (1949) - »Es gibt keine schlimmere metaphysische Naivität«, sprach der Philosoph Yan, »als den bei uns eingewurzelten Glauben, dass das Universum seinen Zusammenhalt der gegenseitigen Sympathie seiner Teile verdanke. Wahr ist vielmehr, dass sie in tödlicher Angst voreinander leben, da jedes die Skandalgeschichte eines anderen kennt. Nicht auf Harmonie beruht der Zusammenhalt unserer Welt, sondern auf der gegenseitigen Erpressung der Teile. Und die sanfte Stille der Nacht ist nichts als die Versteinerung der Erpressten. Nirgends steht es geschrieben, dass das Universum vom ersten Tage an stumm gewesen sei. Wenn es heute wirklich stumm ist, so deshalb, weil die Panik vor gegenseitiger Bloßstellung den Elementen ihren Mund versiegelt hat. Allein dieser gegenseitigen Erpressung verdankt unsere Welt ihren Frieden. Der Herr erhalte die Erpressung.« [Aus: Günther Anders »Der Blick vom Turm« (1968)]















Die allseitige Uebersicht des Lebens im Ganzen, welche der Mensch durch die Vernunft vor dem Thiere voraus hat, ist auch zu vergleichen mit einem geometrischen, farblosen, abstrakten, verkleinerten Grundriß seines Lebensweges. Er verhält sich damit zum Thiere, wie der Schiffer, welcher mittelst Seekarte, Kompaß und Quadrant seine Fahrt und jedesmalige Stelle auf dem Meer genau weiß, zum unkundigen Schiffsvolk, das nur die Wellen und den Himmel sieht. Daher ist es betrachtungswerth, ja wunderbar, wie der Mensch, neben seinem Leben in concreto, immer noch ein zweites in abstracto führt. Im ersten ist er allen Stürmen der Wirklichkeit und dem Einfluß der Gegenwart Preis gegeben, muß streben, leiden, sterben, wie das Thier. Sein Leben in abstracto aber, wie es vor seinem vernünftigen Besinnen steht, ist die stille Abspiegelung des ersten und der Welt worin er lebt, ist jener eben erwähnte verkleinerte Grundriß. Hier im Gebiet der ruhigen Ueberlegung erscheint ihm kalt, farblos und für den Augenblick fremd, was ihn dort ganz besitzt und heftig bewegt: hier ist er bloßer Zuschauer und Beobachter. [Arthur Schopenhauer »Die Welt als Wille und Vorstellung« (1816) I §16]


["χελώνιον", Michelle Schneider (2019)]

Ein amerikanischer Wissenschaftler besuchte einst ein primitives Volk. Als er den Leuten sagte, die Menschen des Westens dächten mit ihrem Kopf, glaubten die Primitiven, die Amerikaner seien alle verrückt. Sie sagten: »Wir denken mit dem Bauch.« [Daisetz Teitaro Suzuki (1957)]

Welche Veränderungen müssen jetzt eintreten in unsrer Anschauungsweise und in unsren Vorstellungen! Sogar die Elementarbegriffe von Zeit und Raum sind schwankend geworden. Durch die Eisenbahn wird der Raum getötet, und es bleibt uns nur noch die Zeit übrig. [Heinrich Heine (1843)]



1 Kommentar:

  1. Über das Denken mit dem Kopf:
    https://lukasfierz.blogspot.com/2019/04/blochers-sicht.html

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